Airbus: Französische Provinzfürsten hecken Plan aus

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Französische Provinzfürsten hecken Plan aus

Die Airbus-Sanierung droht, in den Mühlen nationaler Einzelinteressen zerrieben zu werden. Die französischen Regionen, in denen der Flugzeugbauer Werke verkaufen will, fühlen sich über den Tisch gezogen. Die Deutschen seien besser weggekommen, klagen sie. Nun wollen die Franzosen die Deutschen mit ihren eigenen Waffen schlagen.

PARIS/MÜNCHEN. Französische Regionalpolitiker wollen mit Hilfe der französischen Staatsbank CDC bei dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS einsteigen, um geplante Werksverkäufe der Tochter Airbus zu verhindern. „Wir wollen die Anteile, die der Lagardère-Konzern abstoßen will, übernehmen, um unsere Interessen zu wahren“, sagte eine Sprecherin der Region Picardie. Dort sucht Airbus für das Werk in Méaulte externe Investoren. „Vorbild ist der Einstieg der deutschen Bundesländer bei EADS“, sagte sie.

Martin Malvy, Präsident der Region Midi-Pyrénées um Toulouse, will alle von den Standortverkäufen betroffenen französischen Regionen für den Vorstoß gewinnen. „Wenn die französische Regierung nicht auf die Sparpläne des Konzerns reagiert, haben wir nicht vor, dasselbe zu tun“, betonte der sozialistische Politiker.

Aus Sorge um die deutschen Airbus-Standorte hatten sich bereits die Bundesländer Bremen, Hamburg und Niedersachsen an den 7,5 Prozent des EADS-Kapitals beteiligt, die Daimler-Chrysler Ende Januar an ein Investorenkonsortium verkauft hatte.

„Frankreich hat sich über den Tisch ziehen lassen“

In Frankreich herrscht die Meinung vor, dass sich das Airbus-Management um Louis Gallois bei der geplanten Sanierung des Konzerns von der deutschen Seite habe über den Tisch ziehen lassen. „Der Sparplan ist überhaupt nicht ausgeglichen“, sagte Jean-François Knepper, französischer Co-Präsident des europäischen Airbus-Betriebsrats. Vor allem der Plan des Managements, die Produktion der Mittelstreckenflugzeugfamilie A320 von Toulouse abzuziehen und nach Hamburg zu verlagern, stößt auf erbitterten Widerstand. Auf die Mittelstreckenflugzeuge der A320- Serie entfallen derzeit 90 Prozent der Airbus-Aufträge. Frankreichs Gewerkschaften stellen drei Forderungen: „Kein Verkauf von Werken, kein Abzug der aktuellen A320 Produktion aus Toulouse und keine Konzentration der neuen Kurzstreckenflugzeuge am Standort Hamburg.“

Insgesamt plant Airbus, 10 000 Stellen abzubauen und sechs Werke auszulagern. In Frankreich fallen 4 300 Stellen weg, in Deutschland sind es 3 700. Am Donnerstag wurde zudem bekannt, dass Airbus die Entwicklung des Riesenfrachters A380F auf Eis legt.

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