Airbus-Krise alarmiert - Spitzentreffen in Berlin
Regierung warnt EADS vor Einschnitten

Die tiefe Krise des europäischen Flugzeugherstellers Airbus nach den weiteren Verzögerungen beim A380 alarmiert auch die Bundesregierung. Sie warnte am Mittwoch den Mutterkonzern EADS davor, Produktionskapazitäten aus Deutschland zu verlagern. Immerhin hängen allein hierzulande nach Industrieschätzungen rund 40 000 Arbeitsplätze vom neuen Riesen-Jet ab - direkt oder indirekt.

HB MÜNCHEN. Wirtschaftsminister Michael Glos sprach sich am Mittwoch für eine ausgewogene Verteilung der Einsparungen aus, mit denen der Mutterkonzern EADS die drohenden milliardenschweren Belastungen ausgleichen will. Die IG Metall drohte mit Protesten, falls die Tochter Airbus die Fertigung für den doppelstöckigen A380 aus Hamburg abziehen sollte. Das Kabinett brachte sogar einen Einstieg der staatlichen KfW Bankengruppe ins Gespräch. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm nannte dies zumindest eine „theoretische Möglichkeit“, die nicht aktuell verfolgt werde.

In der Branche wird spekuliert, dass Airbus die Produktion des A380 ganz an den Firmensitz Toulouse verlagern könnte. Im Gegenzug könnte Hamburg die Fertigung des zweistrahligen A320 erhalten, der sozusagen das Brot-und-Butter-Modell des Konzerns ist. Aussagen zur Zukunft der verschiedenen Airbus-Werke werde EADS erst 2007 machen, sagte ein Konzernsprecher.

Wirtschaftsminister Glos pochte darauf, dass Airbus Zusagen für die Produktion des A380 in Deutschland einhalten müsse. Darauf werde er auch bei einem Treffen mit Airbus-Chef Streiff am Donnerstag drängen. Der CSU-Politiker verwies auch auf milliardenschwere Unterstützungen für Airbus in den vergangenen Jahrzehnten, wodurch der europäische Hersteller zu einem gleichrangigen Konkurrenten für den US-Rivalen Boeing ausgebaut wurde. „Die Fortsetzung dieses Engagements für diesen innovativen und technologieintensiven Sektor ist nur dann vertretbar, wenn ein ausgewogenes Gesamtkonzept zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit realisiert wird“, sagte Glos.

Frankreichs Regierung unterstützt EADS-Führung

Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) ergänzte, die EADS dürfe nicht auf Kosten von Arbeitsplätzen in Deutschland umstrukturiert werden. CDU-Wirtschaftsexperte Laurenz Meyer sagte der „Bild“-Zeitung, eine Verlagerung der A380-Fertigung könne die deutsche Politik nicht hinnehmen. Frankreichs Regierungschef Dominique de Villepin erklärte dagegen, er habe volles Vertrauen in die Führung von Airbus und EADS.

Der Luft- und Raumfahrtkonzern will als Reaktion auf die Krise bei Airbus zwei Mrd. Euro einsparen und die Fertigungsstruktur komplett durchleuchten. Investoren straften EADS mit massiven Aktienverkäufen für die Milliardenlast aus der A380-Verzögerung ab, der EADS-Kurs gab zeitweise um zwölf Prozent nach.

Die EADS-Tochter Airbus kämpft mit Problemen bei der komplexen Verkabelung des A380, dessen Entwicklung zwölf Mrd. Euro verschlungen hat. Am Dienstag hatte EADS daher den Zeitplan für die Auslieferungen um durchschnittlich ein Jahr verschoben. Dafür nimmt EADS Ergebnisbelastungen von 4,8 Mrd. Euro bis 2010 in Kauf.

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