Airbus-Krise
Paris will EADS-Doppelspitze abschaffen

Der Streit zwischen Deutschland und Frankreich über die Airbus-Sanierung erreicht eine neue Eskalationsstufe: Gewerkschaften kündigten eine Blockade an, sollte die Produktion des lukrativen A320 von Toulouse nach Hamburg verlagert werden. Die französische Regierung stellte gleichzeitig die deutsch-französische Doppelspitze von EADS infrage. Noch weiter ging Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy.

HB PARIS. Airbus kommt nicht zur Ruhe: Inmitten des harten Widerstands der Belegschaft gegen das Sanierungsprogramm „Power 8“ meldete Frankreich einen Führungsanspruch beim Mutterkonzern EADS an.

Die französische Regierung kündigte an, sie sei bereit, sich „zusammen mit den anderen Aktionären“ an einer Kapitalerhöhung bei EADS zu beteiligen. In diesem Fall müsse aber auch das Führungsmodell mit den deutsch-französischen Doppelspitzen überprüft werden, sagte Premierminister Dominique de Villepin. „Es wäre vielleicht nötig, ernsthaft über die Möglichkeit zu diskutieren, nur noch einen Verantwortlichen zu haben“, sagte Wirtschaftsminister Thierry Breton.

Derzeit wird EADS vom deutschen Thomas Enders und seinem französischen Kollegen Louis Gallois geleitet. Beide erklärten unlängst, sie würden die Aufgabe lieber alleine übernehmen.

Die Airbus-Mutter EADS, die dringend Milliarden benötigt, will nach Handelsblatt-Informationen bei der Hauptversammlung am 4. Mai eine Kapitalerhöhung beschließen. Der Konzern will damit in diesem Jahr zwei bis drei Milliarden Euro für die A350 einsammeln. „Sollte der Staat sich zusammen mit anderen Aktionären an einer Kapitalerhöhung beteiligen, sollte man sich bei dieser Gelegenheit auch die Frage nach der Führung des Konzerns stellen“, sagte de Villepin wörtlich mit Blick auf die Doppelspitzen-Struktur.

Deulicher wurde der französische Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy: „Wir sollten mit dieser französisch-deutschen Gleichheit aufhören und einfach die besten Leute nehmen, um die besten Entscheidungen zu treffen“, sagte er am Montagabend nach einem Treffen mit Vertretern der Airbus-Gewerkschaften. Ein einziger Hauptaktionär solle die industrielle Führung bei dem Konzern innehaben und etwa über das Management entscheiden können.

Derzeit liegt die industrielle Führung bei EADS bei den Großaktionären Daimler-Chrysler und dem französischen Medienkonzern Lagardere. Frankreich ist mit 15 Prozent an der Airbus-Mutter beteiligt, Lagardère hält weitere 7,5 Prozent. Auf deutscher Seite stehen dem Daimler-Chrysler mit 15 Prozent sowie ein Konsortium unter Beteiligung mehrerer Bundesländer mit insgesamt 7,5 Prozent gegenüber. EADS braucht frisches Geld, um Zukunftsprojekte wie den neuen Langstreckenjet A350 zu finanzieren. Zudem ist der Konzern durch die Airbus-Krise in die finanzielle Schieflage geraten.

Nicht nur die aktuelle Regierung in Paris, auch die französische Opposition pocht auf eine Aktive Rolle bei EADS und Airbus. Die Präsidentschaftskandidatin der französischen Sozialisten, Ségolène Royal, will an diesem Dienstag bei Bundeskanzlerin Angela Merkel für ein Moratorium bei der Umsetzung von „Power 8“ werben. Merkel hatte den Sanierungsplan bisher gelobt.

Seite 1:

Paris will EADS-Doppelspitze abschaffen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%