Airbus
Noch viele offene Fragen

Nachdem der Airbus-Konzern massive Stellenstreichungen in Hamburg angekündigt hat, wollen die Arbeitnehmervertreter in der kommenden Woche über die Sparvorschläge des Managements beraten. Es seien noch viele Fragen offen. Auch die Politik mahnte eine besonnene Personalpolitik an.

HB HAMBURG. Die auf der europäischen Airbus-Ebene von der Geschäftsleitung vorgetragenen Zahlen zum geplanten Arbeitsplatzabbau ließen noch viele Fragen offen, sagte der Sprecher der IG Metall Küste, Daniel Friedrich. Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Rüdiger Lütjen, erklärte im Nordwestradio, er sehe wegen fehlender Informationen noch keine Verhandlungsbasis. Die Betriebsräte seien in der Konzernzentrale in Toulouse nur sehr vage informiert worden.

Airbus hatte am Vortag bestätigt, dass im größten deutschen Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder mehr als 2300 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen, davon jeweils die Hälfte Festangestellte sowie Leiharbeiter und Beschäftigte bei Fremdfirmen. Betroffen sein sollen im wesentlichen Arbeitsplätze in der Verwaltung.

„Auf der anderen Seite sucht Airbus 1000 Mitarbeiter und will allein 250 Ingenieure einstellen“, sagte Friedrich. Das werde in den Verhandlungen auf nationaler Ebene zu besprechen sein. Angesichts der hohen Auslastung bei Airbus seien auch die Arbeitskräfte in den so genannten indirekten Bereichen außerhalb der eigentlichen Fertigung notwendig, um zum Beispiel die komplizierten Prozessketten zu organisieren und die Integration der Zulieferer zu gewährleisten. Bei der Ankündigung vom Freitag handelt es sich um eine erste Konkretisierung des Airbus-Programms „Power8“, mit dem der Flugzeughersteller seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern will. Airbus hatte zunächst pauschal angekündigt, europaweit 10 000 Stellen einsparen zu wollen, ohne den Stellenabbau für einzelne Standorte zu benennen.

In Hamburg fällt der geplante Abbau mit 2300 Stellen höher aus als von der Gewerkschaft erwartet, die mit 2000 gerechnet hatte. Die in den vergangenen Monaten in Medienspekulationen in einer Spannbreite von 800 bis 1500 genannten Arbeitsplatzverluste für Hamburg bezogen sich auf fest angestellte Mitarbeiter ohne Leiharbeiter. Betriebsbedingte Kündigungen sind auf Grund fester Vereinbarungen zwischen Airbus und Arbeitnehmern nicht möglich.

„Die Arbeitnehmerseite ist durch die Kampfmaßnahmen der vergangenen Wochen und Monate sehr gestärkt“, sagte Friedrich. Die Arbeitnehmer hätten mit mehreren Aktionstagen in Deutschland und weiteren europäischen Airbus-Ländern deutlich gemacht, dass sie für ihre Arbeitsplätze zu kämpfen bereit seien. Über die weitere Entwicklung in den Werken Varel, Nordenham und Laupheim, die ganz oder teilweise verkauft werden sollen, gab es keine neuen Informationen.

Hamburger Politiker kritisierten die Airbus-Ankündigung. „Das ist ein schwerer Schlag für die Beschäftigten auf Finkenwerder“, sagte der Hamburger Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU) der Zeitung „Die Welt“. „Wir appellieren an die Geschäftsführung, eine besonnene Personalpolitik zu betreiben und die normale Fluktuation zu nutzen.“ Uldall warnte davor, den Stellenabbau zu übertreiben. „Es darf auf keinen Fall die Situation entstehen, dass die vollen Auftragsbücher nicht abgearbeitet werden können.“

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