Airbus plant offenbar drei Versionen
A350 soll nicht mehr nur 787 Paroli bieten

In der kommenden Woche richten sich auf der weltgrößten Luftfahrtschau im britischen Farnborough wieder alle Augen auf den Riesen-Jet A380 des europäischen Flugzeugherstellers Airbus. Aktuell sorgt allerdings eher der A350 für Gesprächsstoff.

HB MÜNCHEN. Der Flugzeughersteller Airbus setzt Industriekreisen zufolge bei der Überarbeitung des geplanten Langstreckenjets A350 auf drei verschiedene Varianten, um dem Rivalen Boeing besser Paroli zu bieten. Die drei Varianten verschiedener Größen sollten Airbus in die Lage versetzen, sowohl mit dem stark nachgefragten geplanten Boeing-Modell 787 „Dreamliner“ als auch mit dem größeren Modell 777 zu konkurrieren, hieß es am Freitag in den Kreisen. „Sie steuern definitiv darauf zu, drei Varianten zu bringen. Damit wollen sie es gleichzeigig mit der 787 und der 777 aufnehmen“, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Airbus lehnte eine Stellungnahme ab und verwies darauf, dass der neue Firmenchef Christian Streiff auf der am Montag beginnenden Luftfahrtmesse im britischen Farnborough den Stand der Überlegungen für den A350 bekannt geben werde.

Die ursprünglich für die Einführung im Jahr 2010 gedachte zweistrahlige A350 sollte mit der Boeing 787 konkurrieren, die aber zwei Jahre früher auf den Markt kommt und wesentlich mehr Kunden locken konnte. Nach Kritik aus der Luftfahrtbranche, wonach das Airbus-Konzept für den A350 zu wenig Innovationen bringt, hatte sich Airbus zu einer Überarbeitung des Vorhabens entschlossen.

In den Kreisen hieß es, Airbus arbeite noch an den Details für die geplanten Langstreckenjets. Das Unternehmen berücksichtige dabei aber die Notwendigkeit, den Flugzeugrumpf zu vergrößern und in der Modellfamilie auch eine dritte, größere Variante anzubieten. Für einen offiziellen Startschuss für die Modellreihe in Farnborough sei es aber noch zu früh, zumal der neue Airbus-Chef Streiff nicht einmal einen Monat im Amt sei.

Zuletzt mehrere Probleme

Von dem A350 waren ursprünglich zwei Varianten geplant. In den Kreisen hieß es, die nun geplanten Modelle dürften voraussichtlich die Bezeichnung A350-800, A350-900 und A350-1000 tragen. Es sei aber auch noch möglich, dass die Flugzeugfamilie A370 genannt werde. Die Maschinen dürften zwischen 250 und 400 Sitzen haben und für unterschiedliche Streckenlängen ausgelegt sein. Die ersten Auslieferungen dürften sich durch die umgearbeiteten Pläne um zwei Jahre auf 2012 verzögern.

Airbus und sein Mutterkonzern EADS waren zuletzt durch mehrere Probleme in die Krise geraten: Neben dem Misserfolg des ursprünglichen A350-Konzepts hatte Airbus eine erneute Lieferverzögerung für den doppelstöckigen Superjumbo A380 ankündigen müssen - mit enormen wirtschaftlichen Folgen: Der operative Gewinn des Mutterkonzerns EADS wird durch die Verzögerungen beim A380 wegen Problemen mit der Elektronik bis 2010 um zwei Mrd. Euro belastet. Eine Folge der Krise war der Austausch von einem der beiden EADS-Vorstandschefs, Noel Forgeard, und die Ernennung Streiffs zum neuen Chef von Airbus. In der ersten Jahreshälfte 2006 hatte Boeing vier Mal so viele neue Aufträge bekommen wie sein europäischer Konkurrent.

Analysten schätzen, dass die Entwicklung der neuen A350-Familie etwa zehn Mrd. Dollar kosten word. Für das ursprünglich geplante Modell hatte Airbus die Kosten auf fünf Mrd. Dollar (vier Mrd. Euro) geschätzt.

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