Airbus-Sanierung: Französische Presse wähnt deutsche Erpressung

Airbus-Sanierung
Französische Presse wähnt deutsche Erpressung

Noch bevor der Airbus-Sanierungsplan „Power 8“ offiziell wird, sickerten Grundzüge an die Öffentlichkeit durch und veranlassten Kommentatoren diesseits und jenseits des Rhein zu Meinungsäußerungen. Die Franzosen wähnen sich im Nachteil, die Deutschen finden es gerecht - und beide schimpfen auf den Einfluss der Politik.

Das französische Wirtschaftsblatt Les Echos verlangt einschneidende Veränderungen bei den Airbus-Anteilseignern: „Die deutschen Verantwortlichen bei EADS, die sich einer Art von Erpressung bedient haben, um Konzessionen zugunsten ihrer Fabriken herauszuholen, haben die Aufgabe von [Airbus-Chef] Louis Gallois nicht einfacher gemacht. ... Selbst wenn der Plan „Power 8" gut umgesetzt wird, kann er die Probleme von Airbus allein nicht lösen, wenn der Flugzeugbauer nicht geschützt wird vor den nationalistischen Vorstößen seiner Aktionäre. Dies könnte man, in dem man das Kapital neu zusammensetzt und der funktionsunfähigen deutsch-französischen Doppelführung ein Ende setzt. Der Flugzeugbauer braucht heute vor allem Aktionäre, die ihm die Mittel zum Erfolg geben.“

Die Tageszeitung Le Monde widmet sich den unterschiedlichen politischen Ansichten in Paris und Berlin zu Airbus: Die französische Regierung hat sich entschieden, sich nicht in den Ausgleich zwischen den verschiedenen europäischen Standorten einzumischen. Die einzige Forderung schien es zu sein, Entlassungen sozialverträglich zu gestalten. Auf der anderen Seite die Deutschen: Der neue Plan der Airbus-Spitze scheint mit dem Zielen der Deutschen, die Fertigung neuer Flugzeuge zurückzugewinnen, übereinzustimmen. „Dieses Resultat verdanken wir dem Engagement der Kanzlerin und des Hamburger Senats", triumphierte das Rathaus der deutschen Hansestadt.

Die Mittelbayerische Zeitung aus Regensburg sieht es eher durch die deutsche Brille: „Auch wenn es nun zu der fairen Lastenverteilung zwischen beiden Ländern zu kommen scheint, steht eines fest: Das politische Gerangel zwischen Deutschland und Frankreich hat die Krise bei Airbus mitverursacht. Weil Produktionsabläufe weniger nach Kriterien der Effizienz als politisch ausgewogen gestaltet wurden, geriet das Projekt A380 zu einem Desaster. Da bei Airbus immer stärker auf den Länderproporz als auf den betriebswirtschaftlichen Sinn von Strukturen geachtet wurde, verlieren nun tausende Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze.“

Die in Freiburg erscheinende Badische Zeitung bemerkt knapp: „Der Gedanke einer ewigen deutsch-französischen Parität sowie die Gesetze von Markt und Betriebswirtschaft sind unvereinbare Gegensätze, wie der Sturzflug des Airbuskonzerns eindrucksvoll belegt. Deshalb wäre es eine Quadratur des Kreises, wenn jetzt beides erfolgreich unter einen Hut käme.“

Und die Westdeutsche Allgemeine Zeitung klagt an: Wie so oft müssen die Arbeitnehmer für Managementfehler büßen. Die Pannen bei der Entwicklung des Mega-Fliegers A380 gehören in diese Kategorie. Aber nicht alle Probleme sind auf diese Weise entstanden. Der politische Einfluss auf den Konzern hat die Kehrseite, dass wirtschaftlich notwendige Kurswechsel nicht mit der notwendigen Härte vollzogen werden.

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