Airbus

Trotz A400M-Debakel steigt der Gewinn

Wegen Problemen mit dem Militärfrachter A400M und dem Langstreckenjet A350 muss Airbus fast 1,4 Milliarden Euro zur Seite legen. Doch trotz der milliardenschweren Sonderlasten verdient der Flugzeugbauer mehr.
Update: 27.07.2016 - 12:52 Uhr
Hohe Rückstellungen für den Militärfrachter belasten Airbus. Quelle: AFP
Airbus A400M

Hohe Rückstellungen für den Militärfrachter belasten Airbus.

(Foto: AFP)

MünchenDer Flugzeugbauer Airbus muss den Großteil seiner Erlöse aus Anteilsverkäufen für milliardenschwere Sonderlasten in zwei Großfliegerprogrammen ausgeben. Für die Pannenserie des Militärfrachters A400M sowie neue Verzögerungen beim Langstreckenjet A350 müssen die Toulouser fast 1,4 Milliarden Euro zur Seite legen. „Verluste bei diesen Programmen konnten zwar durch hohe Veräußerungsgewinne aus der Anpassung des Portfolios gemindert werden, dennoch sind sie schlicht nicht hinnehmbar“, sagte Firmenchef Tom Enders am Mittwoch. Dank der gut zwei Milliarden Euro an Erlösen aus der Trennung von den Anteilen am französischen Dassault-Konzern und der Gründung der Raketen-Gemeinschaftsfirma Airbus Safran Launchers konnte Airbus seinen Quartalsgewinn auf 1,36 Milliarden Euro annähernd verdoppeln.

Der Umsatz des Konzerns stagnierte in etwa bei 16,6 Milliarden Euro, die Zahl der ausgelieferten Flieger schrumpfte leicht auf 298. An seiner Jahresprognose hielt Enders fest. Vor Sondereffekten würden die Ergebnisse seines Hauses auf Vorjahresniveau bleiben. „Trotz der anstehenden Herausforderungen werden wir weiterhin alles tun, um die Wachstumsgeschichte des Unternehmens mit Blick auf Gewinn und Liquidität fortzuschreiben“, erklärte er. Rund 650 Flugzeuge will Enders im laufenden Jahr zu den Kunden starten lassen.

Der Boeing -Rivale erwartet, dass er in der zweiten Jahreshälfte mehr Passagierflieger ausliefert als in der ersten. Im zweiten Quartal schrumpfte der Gewinn des Segments um ein Zehntel, während der Umsatz in etwa unverändert blieb. Enders erklärte die Entwicklung mit der Umstellung der Produktion der Mittelstreckenflieger A320 und A330 auf neuere Versionen. Das Hubschraubergeschäft hatte zuletzt mit Umsatzeinbußen zu kämpfen, konnte die Erträge aber stabil halten. Das Rüstungs- und Raumfahrtsegment verdiente bei konstanten Einnahmen vor Sondereffekten deutlich mehr. An der Börse war Schlimmeres befürchtet worden, die Airbus-Aktien legten um gut fünf Prozent zu.

Die Entwicklung und der Bau des von den europäischen Armee lange ersehnten A400M ist für Airbus seit längerem mit Schwierigkeiten verbunden. Bereits fünf Milliarden Euro musste das Unternehmen wegen Lieferverzögerungen und technischer Patzer in den Wind schreiben. Die jüngsten Probleme mit Triebwerksgetrieben könnten für neuen Ärger sorgen. Bisher sei die Kundschaft nicht abgesprungen, sagte Enders. Er sei zuversichtlich, dass die Gespräche über einen neuen Lieferzeitplan zu einer „vernünftigen“ Einigung mit den Abnehmern führen würden. Finanzchef Harald Wilhelm warnte, diese Einigung könnte signifikante Folgen für sein Haus haben. Weitere Abschreibungen seien nicht auszuschließen. Die Bundeswehr rechnete bislang damit, im laufenden Jahr vier bis sechs neue Frachter zu bekommen.

Die harte Landung des Riesenfliegers
2016
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Wegen rückläufiger Bestellungen halbiert der europäische Flugzeugbauer Airbus ab 2018 die Produktion des Großraumflugzeugs A380. Pro Monat solle dann nur noch eine Maschine gebaut werden statt bisher zwei, teilte das Unternehmen am Dienstag auf der Luftfahrtschau im britischen Farnborough mit. Die Nachfrage nach dem vierstrahligen Großflugzeug geht zusehends zurück, während wirtschaftlichere Modelle mit zwei Triebwerken bei den Fluglinien immer beliebter werden. Das Großraumflugzeug hat eine bewegte Geschichte hinter sich.

1994
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Unter dem Codenamen A3XX beginnt das Airbus-Konsortium mit dem Entwurf für den neuen Super-Airbus.

2000
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Airbus gibt offiziell den Startschuss für das doppelstöckige Flugzeug, das mit 555 Sitzen die Boeing 747 als weltgrößtes Passagierflugzeug ablösen soll. Aus A3XX wird A380. Der erste Flug ist für 2004, die Auslieferungen an die Kunden ab 2005 geplant.

2004
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Doch der damalige Airbus-Mutterkonzern EADS kündigt an, dass das A380-Projekt 1,45 Milliarden Euro über Budget liegt. Die Entwicklungskosten belaufen sich damit auf rund zwölf Milliarden Euro.

2005
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Der A380 meistert am 27. April seinen Jungfernflug. Im Juni kündigt Airbus an, dass sich die ersten Auslieferungen um bis zu sechs Monate verzögern. Grund sind Probleme beim Einbau der 500 Kilometer umfassenden Verkabelung. Deutsche und Franzosen hatten beim Bau des Flugzeugs mit unterschiedlichen Softwareprogrammen gearbeitet. Als die ersten Maschinen verkabelt werden sollten, fiel auf, dass die Leitungen nicht passten.

2006
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Airbus kündigt eine zweite Verzögerung um weitere sechs Monate an. EADS-Co-Chef Noël Forgeard und sein Nachfolger als Airbus-Chef, Gustav Humbert, treten wegen der erneuten Verzögerung zurück. Neuer Airbus-Chef wird Christian Streiff. Im Oktober wird die Auslieferung des A380 dann um ein weiteres Jahr verschoben. Damit liegt das Projekt nun zwei Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan. Nach nur 100 Tagen im Amt wirft Airbus-Chef Christian Streiff das Handtuch. Sein Nachfolger wird EADS-Co-Chef Louis Gallois.

2006
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Als erster Kunde storniert Fedex im November seine Bestellung von zehn A380-Frachtmaschinen für 2,5 Milliarden Dollar und ordert beim US-Erzrivalen Boeing. Ende des Jahres lassen die europäische Behörde für Flugsicherheit (EASA) und die US-Luftfahrtbehörde FAA den A380 nach monatelangen Tests zum Flugbetrieb zu.

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