Airbus und die Sanierung: Industriepolitik à l’allemande

Airbus und die Sanierung
Industriepolitik à l’allemande

Erst klagten sie über die französischen Methoden, dann kopierten sie sie einfach: Wie Deutschlands Politiker für deutsche Airbus-Arbeitsplätze kämpfen – und gewinnen. Und warum sich die Franzosen bei der Sanierung des Flugzeugbauers über den Tisch gezogen fühlen.

BERLIN/TOULOUSE/MÜNCHEN. Wieder ein Auswärtsspiel. Wenn der Franzose Louis Gallois an die vergangenen Wochen zurückdenkt, muss er sich vorkommen wie der Trainer eines Vereins, der nie zu Hause spielen darf. Denn immer wieder ist der Airbus-Chef nach Deutschland gereist, um für die Umstrukturierung des Konzerns zu werben.

Mitte Februar etwa sitzt er mittags in der Bibliothek der niedersächsischen Landesvertretung Ministerpräsident Christian Wulff gegenüber, der Blick schweift über den Tiergarten. Das Roastbeef lehnt Gallois ab, er hat schon gegessen. Und nun kann er noch nicht einmal in seiner Sprache reden. Denn aufgeboten ist wieder einmal nur eine englisch-deutsche Übersetzerin. Auch bei Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hatte der Franzose dies gerade erlebt.

Es ist nur ein Detail, das aber deutlich macht: Diesmal haben die Deutschen offenbar maßgeblich die Regeln vorgegeben in der seit Monaten andauernden Auseinandersetzung um einen „ausgewogenen“ Personalabbau bei dem angeschlagenen Flugzeugbauer Airbus, dem deutsch-französischen Gemeinschaftsunternehmen. Schaut man auf das Ergebnis, das die Beteiligten gestern vorgestellt haben, hat die deutsche Seite erfolgreich die französische Industriepolitik kopiert, über die sie zuvor stets schimpfte.

Man wolle sich nicht von dem französischen Partner „über den Tisch ziehen lassen“, so lautete seit dem deutsch-französischen Streit über den Chemiekonzern Sanofi-Aventis das Credo der alten und der neuen Bundesregierung. Deshalb hat Bundeskanzlerin Angela Merkel das Thema Airbus gleich beim Treffen mit Frankreichs Präsidenten Jacques Chirac Anfang Januar 2006 in Versailles angesprochen.

Der Verkauf von 7,5 Prozent am Airbus-Mutterkonzern EADS aus Daimler-Besitz steht da bereits im Raum. Und nachdem Merkel und Chirac durch die Ausstellung „Glanz des sächsischen Hofes – Dresden in Versailles“ geschlendert sind, erinnert die Kanzlerin in aller Freundlichkeit daran, wie wichtig die deutsch-französische Balance sei. Chirac versteht sofort: Selbstverständlich werde Frankreich das drohende Ungleichgewicht zwischen deutscher und französischer Seite nicht ausnutzen. Von einem harten Sanierungsprogramm ist da allerdings noch nicht die Rede, nur von diffusen Kabelproblemen bei dem neuen Riesenairbus A380.

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