
DüsseldorfErstmals seit zehn Jahren wird Boeing wieder die Nummer eins der Flugzeughersteller. Bei den Auslieferungen wird der US-Konzern den europäischen Konkurrenten Airbus aller Voraussicht nach überholen. 601 Maschinen lieferte Boeing im vergangenen Jahr aus, wie der Flugzeugbauer am Donnerstagabend bekanntgab. Airbus dagegen hat für 2012 lediglich 580 Auslieferungen angepeilt. Ihre endgültigen Zahlen gibt die EADS-Tochter nicht vor dem 17. Januar bekannt.
Boeing übergab 2012 ein Viertel mehr Flugzeuge an die Kunden als im Vorjahr. Spartenchef Ray Conner lobte die Mitarbeiter in der Produktion. Diese hätten „eine eindrucksvolle Leistung“ gezeigt, sagte Conner.
Auch bei den Bestellungen kann sich Boeing nicht beschweren: Im vergangenen Jahr gingen Aufträge für satte 1203 Verkehrsmaschinen ein. Die Amerikaner haben damit fast 4400 offene Aufträge in den Büchern stehen. So prall gefüllt seien sie noch nie gewesen, jubelte der Flugzeugbauer über den höchsten Auftragsbestand der Geschichte.
Boeing fliegt Airbus voraus – und das hat Gründe. Ein gewichtiger ist die Boeing 737. Für den Mittelstrecken-Jet gingen im vergangenen Jahr 1124 Bestellungen (netto) ein. 415 Stück der 737-Familie wurden ausgeliefert. Von einem jetgetriebenen Flugzeug seien in einem Jahr noch nie mehr gebaut worden, heißt es von Boeing.
Der lang erwartete „Dreamliner“ von Boeing soll das Reisen über den Wolken revolutionieren: Mit mehr als drei Jahren Verspätung liefert der US-Flugzeugbauer die erste 787 aus. Die japanische All Nippon Airways (ANA) übernahm 2011 den ersten der Langstreckenjets. Damit soll eine neue Ära in der Luftfahrt beginnen. Erzrivale Airbus wird sein Konkurrenzmodell A350 voraussichtlich erst ab Ende 2013 ausliefern.
Der „Dreamliner“ wartet nach Boeing-Angaben mit größeren Fenstern, einer angenehmeren Luft und einem geringeren Spritverbrauch auf als bisherige Typen. Möglich macht das die großflächige Verwendung der leichten und stabilen Karbonfasern statt des üblichen Aluminiums.
Das neue Kunststoff-Material bescherte den Amerikanern jedoch auch jede Menge Ärger, weil die Ingenieure die Technik erst erlernen mussten. Es kam zu wiederholten Verzögerungen und jeder Menge Misstönen. Eigentlich hätte der erste „Dreamliner“ schon im Mai 2008 ausgeliefert werden sollen. Von der Bestellungen her ist die 787 aber schon ein Bestseller.
Boeing liegen insgesamt 799 Orders (Stand: Januar 2012) vor. Deutscher Erstkunde soll 2014 Air Berlin werden. „Jetzt, da das Flugzeug fertig zur Auslieferung ist, kann das ganze Team feiern“, sagte „Dreamliner“-Programmchef Scott Fancher nach der Unterzeichnung der Verträge mit All Nippon Airways.
Die Verzögerungen kosteten die Mitarbeiter nicht nur Nerven und die Kunden viel Geduld. Es entstanden auch milliardenschwere Mehrkosten. Noch ist unklar, ab welcher Stückzahl der Airbus-Rivale mit dem Flugzeug überhaupt Geld verdient.
Da der „Dreamliner“ laut Hersteller 20 Prozent weniger Sprit als bisherige Typen verbraucht, lohnt es sich, bislang uninteressante Langstrecken-Routen direkt zu fliegen. In der kleineren Variante des „Dreamliner“, der 787-8, finden 210 bis 250 Passagiere Platz, in der verlängerten 787-9 bis zu 290.
Spritsparende Flugzeuge verkaufen sich wegen der hohen Kerosinpreise momentan besonders gut. Der Anteil der verbrauchsoptimierte 737 MAX an den Bestellungen wächst. Mit neuen Triebwerken und einer verbesserten Flügelform soll der Jet 13 Prozent weniger Sprit verbrauchen als das aktuelle Modell.
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