Airbus-Verkauf
BAE spielt auf Zeit

Der britische Rüstungskonzern BAE Systems zögert mit dem Verkauf seines Anteils am europäischen Flugzeugbauer Airbus an den Mehrheitseigentümer EADS.

HB LONDON. Eine nochmalige Überprüfung des Werts von Airbus solle dem Vorstand bei der Entscheidung helfen, ob BAE Systems seine 20 Prozent an Airbus wirklich verkaufen solle, teilte BAE Systems am Mittwoch in London mit. Die als Schlichter eingeschaltete Investmentbank NM Rothschild hatte den Wert der Beteiligung mit 2,75 Mrd. Euro deutlich niedriger bewertet als von BAE und von Experten erwartet. Der Verkauf würde den Briten netto 1,65 Mrd. Euro in die Kasse spülen. „Wir finden, dass das sehr wenig ist“, sagte ein BAE-Sprecher. „Natürlich sind wir nicht glücklich darüber.“ Mit dem nun in Auftrag gegebenen externen Gutachten, das frühestens Ende August vorliegen dürfte, verschiebt sich die Transaktion um mindestens einen Monat.

Die Aktionäre von BAE können einen Verkauf an die EADS zum jetzigen Zeitpunkt auch ganz ablehnen. „BAE hält sich alle Optionen offen, auch ein Gerichtsverfahren“, sagte der Sprecher. Die Aktionäre von BAE sollen voraussichtlich bei einer außerordentlichen Hauptversammlung Anfang September über den Verkauf entscheiden. BAE hatte im Mai seine Verkaufsoption für den Airbus-Anteil ausgeübt, um mit dem Erlös sein Rüstungsgeschäft und die Aktivitäten in Amerika auszubauen. Die vertraglich festgelegte Option kann nur zwischen Mai und Oktober jedes Jahres ausgeübt werden.

BAE und EADS, die ein Vorkaufsrecht hat, hatten sich nicht auf einen Preis geeinigt, weshalb Rothschild eingeschaltet worden war. Aus der Bilanz der EADS hatte sich ein Wert der britischen Beteiligung von 3,5 Mrd. Euro ergeben, einige Analysten hatten mit bis zu fünf Mrd. Euro gerechnet. EADS will die Summe aus der mit 5,9 Mrd. Euro gut gefüllten Firmenkasse in bar begleichen. Da EADS zum Kauf bereit ist, kann BAE seinen Airbus-Anteil nicht an einen anderen Interessenten verkaufen. Sollte BAE zu dem festgelegten Preis doch nicht verkaufen, müssten sie mit der Ausübung der Option bis Mai 2007 warten.

Ein Grund für den unerwartet niedrigen Preis ist die um bis zu sieben Monate verspätete Auslieferung des Prestigeobjekts Airbus A380. Die sich daraus ergebenden Belastungen für den Mutterkonzern EADS hatten zu einer deutlichen Minderung des Börsenwertes geführt - und als Konsequenz auch des Wertes von Airbus. Airbus hatte die erneuten Probleme mit der Elektronik des Flugzeugs im Juni mitgeteilt, gut zwei Monate nachdem BAE seine Verkaufsabsichten bekannt gegeben hatte. Nach der Komplettübernahme will EADS den Flugzeughersteller stärker in den Konzern integrieren.

Das neue EADS-Führungsduo, Tom Enders und Louis Gallois, hatten am Montag einen größeren Umbau sowohl bei EADS als auch Airbus angekündigt. Airbus habe Priorität, sagte die beiden Konzernchefs. Die von Airbus ausgelöste Krise auch bei EADS belastet seit gut zwei Wochen die Aktien des Mutterkonzerns. Am Mittwoch gaben sie um rund vier Prozent auf 20,53 Euro nach. Die BAE-Aktie lag zwei Prozent im Minus bei 3,47 Pfund.

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