Airbus verschiebt Auslieferung
Lufthansa bekommt erste A320 neo später

Qatar Airways beschwerte sich, jetzt ist die Lufthansa der Erstkunde für die A320 neo. Doch die Airline muss sich gedulden: Die Auslieferung wird kurzfristig verschoben. Was ist dran an den Problemen des Triebwerks?

Toulouse/HamburgDer europäische Flugzeugbauer Airbus hat die ursprünglich bis Jahresende geplante erste Auslieferung seines Verkaufsschlagers A320 neo verschoben. Airbus und die Lufthansa einigten sich auf eine spätere Übergabe, wie der Hersteller am Mittwoch in Toulouse mitteilte. Die Auslieferung war im Airbus-Werk in Hamburg geplant. Einen Grund nannte Airbus zunächst nicht.

„In den nächsten Wochen“ wollten Airbus, Lufthansa und der für die Triebwerke verantwortliche US-Hersteller Pratt & Whitney auf die Auslieferung hinarbeiten. Ein neuer Termin steht laut der Lufthansa noch nicht fest. „Wir hoffen und gehen davon aus, dass die Auslieferung im Januar stattfindet“, sagte eine Unternehmenssprecherin. Zuvor hatte Qatar Airways als zunächst geplanter Erstkunde die Abnahme des Fliegers abgelehnt und Probleme mit der Kühlung der neuen Triebwerke als Grund genannt.

Pratt & Whitney muss Zweifel an den Verbrauchswerten seines Motors mit dem Namen PW1100G zerstreuen. „Unser Triebwerk erfüllt derzeit die Zusagen, die wir gegenüber unseren Kunden in Sachen Treibstoff-Effizienz getätigt haben“, erklärte ein Sprecher des Unternehmens vor wenigen Tagen.

United Technologies, die Muttergesellschaft von Pratt & Whitney, hatte zuvor darüber informiert, eine ungleichmäßige Kühlung der Triebwerke könne dazu führen, dass Teile im Motor aneinander reiben. Das Unternehmen empfahl, die Triebwerke nach der Landung nicht sofort abzustellen sondern erst noch drei Minuten weiterlaufen zu lassen – zur Kühlung. Ein Update der Software und Änderungen bei den Lagern im Motor sollen das Problem dann in Zukunft abschließend beseitigen.

Das rief nicht nur Qatar Airways auf den Plan, der laut beklagte, mit dieser Nachlaufphase die engen Zeitvorgaben bei der Abfertigung nicht mehr einhalten zu können. Auch die Analysten von JP Morgan meldeten sich zu Wort. Sie warnten in einer Studie davor, dass der zusätzlich verbrannte Treibstoff die gesamte Effizienz der Triebwerke in Frage stelle. Pratt & Whitney hat immerhin 15 Prozent weniger Verbrauch im Vergleich zu den herkömmlichen Motoren zugesagt.

Die Airlines können bei der A320 neo zwischen zwei Motoren wählen, dem von Pratt & Whitney und einem Triebwerk von CFM, einem Gemeinschaftsunternehmen von General Electric und Snecma aus Frankreich. Und die beiden Rivalen geben sich wenig. Bezogen auf die bislang vorliegenden Bestellungen für die A320 neo kommt Pratt & Whitney auf einen Anteil von 28 Prozent, CFM erreicht 31 Prozent.

Bei 41 Prozent der bestellten Flugzeuge gibt es noch keine Präferenz hinsichtlich des Antriebs. Gerade bei den noch Unentschlossenen sind schlechte Nachrichten und Zweifel am Motor pures Gift.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%