Airshow
Airbus hängt Boeing ab

Trotz Wirtschaftskrise ist der europäische Flugzeugkonstrukteur Airbus auf gutem Wege, sein Ziel von bis zu 300 Neubestellungen in diesem Jahr zu erreichen. Auf der Pariser Airshow heimste Airbus nach eigenen Angaben Bestellungen sowie Kaufabsichten über 127 Flugzeuge ein mit einem Katalogwert von knapp 13 Mrd. Dollar.

LE BOURGET. „Das ist mehr als erwartet“, sagte Vertriebschef Lohn Leahy. Vor der Airshow hatte Airbus nur mit 80 bis 100 Orders gerechnet. Unter dem Strich vergaben Kunden vor allem aus der Golf-Region und Asien Festaufträge an Airbus über 58 Flugzeuge im Wert von 6,4 Mrd. Dollar. Hinzu kamen Kaufabsichten für 69 Maschinen im Katalogwert von 6,5 Mrd. Dollar.

Damit liegt in der Halbjahresbilanz Airbus vor seinem US-Wettbewerber Boeing. Airbus hat von Januar bis Ende des Monats unter dem Strich 90 feste Orders bekommen, plus die oben genannten Kaufabsichten, die noch nicht zu den Aufträgen gerechnet werden. Bei Boeing sind es 85 Brutto-Orders. Größer wird der Abstand, zieht man die Annullierungen ab; dann steht es zur Halbzeit 69 für Airbus zu 19 für Boeing.

Schon klingen die Manager der Branche wieder optimistischer: So erwartet Scott E. Carson, Chef der zivilen Flugzeugsparte von Boeing, zur Mitte des nächsten Jahres eine echte Verbesserung. Auch Tom Captain, Partner und weltweit Verantwortlicher für Aeronautik und Verteidigung bei Deloitte, äußert sich vorsichtig optimistisch: „Derzeit kann die Branche zufrieden sein, wenn sie ihre Aktivität stabilisiert“, so der Experte, „Aber binnen der nächsten zwölf Monate rechne ich wieder mit einer Belebung.“

Zusätzlich für gute Laune sorgte im Airbus-Lager in Le Bourget, dass der US-Rivale angesichts des Erfolgs der A350 sichtbar nervös wird. Zur Erinnerung: Die A350 ist ein Langstreckenflugzeug, das Airbus gleich in drei Versionen mit bis zu 350 Sitzplätzen anbietet. Damit konkurriert die A350-Familie nicht nur gegen Boeings brandneue 787 (260 Sitze), deren Erstflug bis Ende Juni stattfinden soll. Die größeren Versionen der A350 (A350-900 und A350-1000) konkurrieren in der Klasse der Langstreckenflugzeuge über 300 Sitzplätze auch mit Boeings älterer 777.

Auf dem Salon erklärte der Boeing-Chef für Zivilflugzeuge, Scott E. Carson, über eine verbesserte Version der 777 nachzudenken. Eine Möglichkeit sei, dem Flugzeug neue Flügel zu geben, mit deren Hilfe der Kerosin-Verbrauch sinken soll. Alternativ werde eine verlängerte Version der neuen 787 erwogen – oder gar der Bau eines ganz neuen Flugzeugs.

Airbus fühlt sich nun in seiner Strategie bestätigt: „Es ist ja nicht so, dass Scott eines Morgens auf der Airshow aufwacht und entscheidet, dass ihm fünf Milliarden Dollar ein Loch in die Tasche brennen und er daher der 777 neue Flügel geben will“, zitiert die Agentur Bloomberg Airbus-Verkaufschef Leahy, „nur wenn man sich eine Bedrohung gegenüber sieht, ist man bereit, auf diese Weise Geld auszugeben.“ Sprich, die A350 dürfte zu einer echten Bedrohung für die 777 werden.

Auch im Kampf um den US-Tanker-Auftrag scheint Boeing Nerven zu zeigen. Denn nun will Boeing nicht nur mit seinem Tanker auf Basis der alten 767 (Start 1982) gegen den Airbus-Tanker auf Basis der größeren und jüngeren A330 (Start 1994) antreten, sondern erwägt auch eine Offerte auf Basis der 777. Das Problem: Die 777 gibt es noch gar nicht als Tankflugzeug. Die US-Air Force muss ihre veraltete Tankerflotte ersetzen. In einer ersten Tranche will die US-Regierung 179 neue Tankflugzeuge kaufen, im Wert von rund 35 Mrd. Dollar.

Auch ohne Militäraufträge bleiben die Absatz-Perspektiven für beide Rivalen langfristig gut: „Wachstumstreiber sind zum einen die steigende Nachfrage in Asien und dem Mittleren Osten“, erklärt Deloitte-Experte Captain. Zum zweiten würden die Airlines ihre alten Flugzeuge nach und nach durch neue, spritsparende Modell ersetzen wollen.

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