Akquisitionsstrategie
Merck nutzte Bayers Fehler

Das spektakuläre Ringen um den Pharmakonzern Schering wird die Strategien bei künftigen Übernahmen verändern. Das erwarten Fachleute von Investmentbanken.

FRANKFURT. Käufer könnten die Mindestannahme-Schwelle bei Übernahme-Offerten niedriger setzen und versuchen, Aktien des Akquisitionsziels schon während der Laufzeit des Angebots am Markt zu erwerben, heißt es in Finanzkreisen.

Der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer musste in der vorigen Woche um die schon sicher geglaubte Übernahme von Schering zittern, nachdem der Konkurrent Merck KGaA überraschend eine Beteiligung von fast 22 Prozent an Schering aufgebaut hatte. Die Bayer AG konnte die Übernahme daraufhin nur retten, indem sie mit Merck für dessen Schering-Paket einen höheren Preis von 89 Euro je Aktie vereinbarte - drei Euro mehr als bei der offiziellen Offerte. Diese Konditionen muss Bayer nun allen Schering-Eignern anbieten, die ihre Aktien bereits angedient hatten. Dadurch verteuert sich der Komplett-Kauf von Schering um mindestens 400 Mill. Euro.

Kritiker sehen zwei Schwächen in der Vorgehensweise von Bayer: das relativ ehrgeizige Ziel einer Mindestquote von 75 Prozent am Schering-Kapital sowie die Tatsache, dass der Konzern zunächst keinerlei Schering-Aktien am Markt gekauft hat - obwohl sie lange unterhalb des Angebotspreises von 86 Euro notierten. Dies habe letztlich das Tor für den Angriff von Merck geöffnet.

Bei Managern aus der Pharmabranche und bei Investmentbankern gilt es als ausgemacht, dass Bayer mit seinen beiden Finanzberatern, Credit Suisse und Greenhill, nicht zufrieden sein kann. Bayer lässt nach außen keinerlei Kritik oder Konflikt mit den Beratern erkennen. "Alle Entscheidungen wurden gemeinsam vorbereitet und man steht auch weiterhin gemeinsam dazu", sagte ein Unternehmens-Sprecher.

Der Leverkusener Konzern befand sich bei dem Übernahmeverfahren in einer schwierigen Ausgangsposition. Ein Beherrschungsvertrag und die dafür nötige 75-Prozent-Mehrheit bei Schering sind für Bayer äußerst wichtig, um das ehrgeizige Synergieziel von 700 Mill. Euro zügig zu realisieren. "Diese Synergien sind ganz entscheidend für den Erfolg der Übernahme", sagt Andreas Heine von der Hypovereinsbank.

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