Aktie auf unbestimmte Zeit vom handel ausgesetzt
Parmalat-Gründer bestreitet Betrugsvorwürfe

Der festgenommene ehemalige Präsident des insolventen italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat, Calisto Tanzi, hat die gegen ihn erhobenen Betrugsvorwürfe bestritten. Während einer sechsstündigen Vernehmung sagte der Firmengründer, er habe höchstens eine Million Lire (etwa 500 Euro) für kleine persönliche Ausgaben aus den Firmenkassen genommen.

HB ROM/MAILAND. Einer seiner Anwälte wurde am Montag in italienischen Medien mit den Worten zitiert: „Es ist kein Geld verschwunden, sondern es gibt nicht existierende Aktivposten.“ Tanzi wird vorgeworfen, bis zu 800 Millionen Euro entwendet und die Konten seines Konzerns seit 1988 gefälscht zu haben.

An der Mailänder Börse wurden die Aktien des Unternehmens am Montag auf unbestimmte Zeit vom Handel ausgesetzt. Ein Prozess gegen Tanzi könnte Medienberichten zufolge bereits im Frühjahr beginnen. Dem Unternehmer droht eine langjährige Haftstrafe. In Italien gilt der Parmalat-Zusammenbruch als einer der größten Finanzskandale in der Geschichte des Landes.

Tanzi, der sich zuletzt in Portugal und Südamerika aufgehalten haben soll, war am Wochenende in Mailand auf offener Straße von der Polizei festgenommen worden. Er werde vorläufig im Gefängnis bleiben, da neben Flucht- auch Verdunklungsgefahr und eine Tat-Wiederholung befürchtet würden, sagte einer der Staatsanwälte. Parmalat-Manager sollen noch vor einer Woche Papiere verschwinden lassen und Computer- Festplatten zerstört haben.

Die ermittelnden Staatsanwaltschaften von Parma und Mailand gehen davon aus, dass der 65-jährige Tanzi zusammen mit neun Parmalat- Managern Dokumente gefälscht und große Summen Schwarzgeld in Steuerparadiesen angehäuft hat. Der ehemalige Finanzchef Fausto Tonna arbeitet neuerdings mit den Ermittlern zusammen und macht Tanzi für die dunklen Machenschaften verantwortlich.

Vorwurf des Betruges und der Bilanzfälschung

In der Bilanz von Parmalat war in der Vorwoche ein Finanzloch von mehreren Milliarden Euro entdeckt worden. Die Staatsanwaltschaft wirft der bisherigen Parmalat-Führung Betrug und Bilanzfälschung vor. Von mindestens sieben Milliarden Euro, die in der Bilanz des Konzerns auftauchen, fehlt jede Spur.

Tanzi war vor knapp zwei Wochen nach ersten Hinweisen auf eine finanzielle Schieflage seines auf Milchprodukte spezialisierten Konzerns zurückgetreten. Ein Gericht in Parma, wo Parmalat seinen Sitz hat, hatte nur wenige Stunden vor Tanzis Festnahme das Unternehmen offiziell für insolvent erklärt. Die Entscheidung erfolgte wie erwartet, nachdem Insolvenzverwalter Enrico Bondi einen Bericht über die finanzielle Situation von Parmalat vorgelegt hatte.

Auch mehreren Tochter-Unternehmen des Lebensmittel-Giganten droht jetzt die Pleite, allen voran dem Fußball-Erstligisten AC Parma, an dem Tanzi zu fast 99 Prozent beteiligt ist. Der Club stehe vor dem Zusammenbruch, ohne eine baldige Kapitalaufstockung müsse sich Sportdirektor Patrick Nebiolo wahrscheinlich von mehreren seiner Spitzenspieler trennen, berichtete das italienische Fernsehen.

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