Aktie fällt 12 Prozent
Ford streicht 45 000 Stellen

Der neue Ford-Chef Alan Mulally hat nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt dem angeschlagenen US-Autohersteller einen verschärften Sparkurs verordnet. Branchenexperten vermissten jedoch einen großen Wurf und bemängelten, dass Ford nun erst ein Jahr später als bislang geplant wieder Gewinn machen will. An der Börse brachen die Aktien am Freitag bis Mittag um mehr als zwölf Prozent ein.

HB DETROIT. Der Autokonzern will bis Ende 2008 fünf Mrd. Dollar einsparen und plant in Produktion und Verwaltung insgesamt den Abbau von 45 000 Stellen. Die bislang geplante Streichung von 30 000 Fabrik-Arbeitsplätzen in Nordamerika will Ford beschleunigen. Der Abbau soll nun bis Ende 2008 abgeschlossen sein. Bisher hatte sich die Nummer zwei am US-Markt bis 2012 Zeit lassen wollen.

Ex-Boeing-Manager Mulally muss bei Ford seit seinem Amtsantritt vergangene Woche gegen einen kräftigen Absatzrückgang kämpfen, der ihn zu drastischen Schritten zwingt. In der Verwaltung sollen nun insgesamt die Stellen von 14 000 Mitarbeitern wegfallen - das wäre ein Drittel aller Angestellten in Nordamerika. Bisher war lediglich von 7000 Stellen die Rede. Das Ziel, bis 2008 in Nordamerika wieder schwarze Zahlen zu schreiben, verschob Ford auf 2009. In Summe sollen nun 16 Werke geschlossen werden, bisher war von 14 die Rede. Ford will sich zudem vom Sportwagenhersteller Aston Martin trennen. Einen Verkauf der Verluste schreibenden Luxusmarke Jaguar lehnte Ford jedoch ab. Darüber war an den Märkten wiederholt spekuliert worden.

Die Wall Street war jedoch enttäuscht darüber, dass Ford keine Firmenverkäufe ankündigte. Allein ein Verkauf der Mehrheit an seiner Finanzsparte Ford Credit könnte Schätzungen zufolge 45 Mrd. Dollar in die Kasse spülen. Auch nach Einschätzung der Landesbank Baden-Württemberg werden die neuen Sparmaßnahmen nicht reichen: „Eins erscheint uns so gut wie sicher - weitere Einschnitte werden folgen müssen.“ Andere Branchenexperten verweisen darauf, dass Ford seine Produktpalette grundlegend überarbeiten müsse. Zudem müsse der Einfluss der Ford-Familie reduziert werden. Die Ratingagenturen Fitch und Standard & Poor's (S&P) hielten zunächst am Rating für Ford fest. S&P hielt sich jedoch offen, das Rating zu einem späteren Zeitpunkt herabzusetzen.

Den Plänen zufolge sollen alle 75 000 Ford-Arbeiter ein Abfindungsangebot von bis zu 140 000 Dollar von dem Konzern erhalten. Damit hofft Ford, möglichst viele der Mitarbeiter zum Gehen bewegen zu können. Die Resonanz auf die bisherigen Angebote sei eher mager gewesen, sagte Ron Gettelfinger, Chef der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW). Er sprach von einigen tausend Mitarbeitern.

Analysten bezweifeln ohnehin, dass Ford mit seinem Paket ähnlichen Erfolg haben wird wie Konkurrent General Motors (GM), bei dem unlängst bis zu 35 000 Arbeiter die Abfindungen akzeptiert haben. Die Ford-Mitarbeiter seien jünger und weniger gewillt, ihr relativ gutes Gehalt aufzugeben, sagten Branchenexperten.

Ford versucht bereits seit längerem, aus der Krise zu kommen und stellt nun bereits den dritten Restrukturierungsplan innerhalb von fünf Jahren vor. Erst im Januar hatte der Konzern einen Stellenabbau und Werksschließungen angekündigt. Doch die Situation des Autobauers verschärfte sich im Laufe des Jahres zunehmend. Im Juli hatte ein Absatzeinbruch um 15 Prozent die Alarmglocken in Detroit schrillen lassen. Im ersten Halbjahr verbuchte Ford einen Verlust von 1,4 Mrd. Dollar.

Ex-Chef Bill Ford, ein Nachfahre des Firmengründers, hatte deswegen mit Alan Mulally einen Sanierungsexperten an die Spitze des Konzerns geholt. Mulally hatte bereits bei seinem vorherigen Arbeitgeber Boeing die Trendwende bei den Passagierflugzeugen geschafft. Ford verliert seit Monaten Marktanteile, weil seine hochmotorisierten Geländewagen angesichts der hohen Spritpreise immer weniger gefragt sind und die amerikanischen Autokäufer lieber zu den sparsamen Modellen der Konkurrenz aus Japan greifen. Vor allem japanische Autohersteller - allen voran voran Toyota - jagen den US-Autokonzernen mit erschwinglichen und relativ sparsamen Modellen Marktanteile ab. Darunter leiden auch GM und Chrysler, die ebenfalls mit Verlusten kämpfen.

Derzeit liegt der Marktanteil von Ford noch bei etwa 17 Prozent. Ford glaubt nun nicht mehr daran, diesen Marktanteil zu halten und rechnet vielmehr damit, dass er auf 14 bis 15 Prozent fallen könnte. „Die gesenkten Erwartungen an den Marktanteil zeigen mir, dass sie hier ehrliche Zahlen nennen“, sagte Erich Merkle, Analyst bei IRN.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%