Aktie im Minus
Stahlwerksverkauf lastet schwer auf Thyssen-Krupp

Die bisherigen Gebote für die Stahlwerke in Brasilien und den USA waren Thyssen-Krupp offenbar zu niedrig. Doch das Unternehmen gerät mehr und mehr unter Druck – und der macht sich auch an der Börse bemerkbar.
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Frankfurt/DüsseldorfDer zähe Verkaufsprozess für die Verluste schreibenden amerikanischen Stahlwerke hat den Thyssen-Krupp -Konzern einmal mehr unter Druck gesetzt. Am Montag rutschte die Aktie des Unternehmen zeitweise um mehr als vier Prozent ins Minus, nachdem erneut Zweifel an einem baldigen Abschluss in der von Thyssen-Krupp erhofften Größenordnung laut wurde. Die Bieter hätten bis vergangenen Freitag ihre bisherigen Offerten präzisieren müssen, sagte eine mit dem Prozess vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Ähnliches hatten zuvor weitere Insider berichtet.

Offenbar schätze Thyssen-Krupp die bisherigen Gebote als zu niedrig ein. "Man hat noch nicht die Preise aufgerufen, die man sich vorgestellt hat." Zudem sei unklar, wer sich mit wem für einen Erwerb der Werke in Brasilien und den USA verbünden wolle. Thyssen-Krupp lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Der Prozess laufe - zu den Bietern und dem Zeitplan mache der Konzern keine Angaben, sagte ein Sprecher lediglich. Thyssen-Krupp hat zwölf Milliarden Euro in die Werke investiert. Vorstandschef Heinrich Hiesinger will bei einem Verkauf mindestens den noch übrigen Buchwert von sieben Milliarden Euro erzielen. Analysten beziffern den Wert hingegen auf drei bis vier Milliarden Euro. Thyssen-Krupp hoffe nun einen Erlös in der Größenordnung zwischen den Analystenschätzungen und dem Buchwert, sagte der Insider Reuters. Sechs oder sieben Bieter würden wohl am Ball bleiben.

Zu den Interessenten zählen nach Angaben aus Finanzkreisen unter anderem der Weltmarktführer ArcelorMittal, der japanische Konkurrent JFE Steel Corporation, Nucor und U.S. Steel sowie CSN aus Brasilien. Der ebenfalls früher genannte koreanische Stahlkonzern Posco hatte zwar Insidern zufolge ein Angebot eingereicht. Der Stahlkocher habe aber kein ernsthaftes Interesse, sondern sich nur die Vermögenswerte ansehen wollen. Die chinesische Baosteel hatte nach Ablauf der Frist vor wenigen Wochen erklärt, kein Angebot eingereicht zu haben. Gleiches gilt für den brasilianischen Vale -Konzern.

Die Thyssen-Krupp Aktie fiel am Montag zeitweise um 4,4 Prozent auf 17,07 Euro und bildete damit das Schlusslicht im Dax. "Die Preisvorstellungen von Thyssen-Krupp erscheinen unrealistisch", sagte ein Händler. "Wenn der Konzern aber daran festhält, wird es zu keinem Deal kommen, was die Aktie ordentlich in Mitleidenschaft ziehen dürfte."

Thyssen-Krupp hat sich mit der Expansion des Stahlgeschäfts in den USA und Brasilien verhoben. Nach Milliardenverlusten der beiden neuen Werke zog Hiesinger im Mai die Notbremse und prüft seine strategischen Optionen - einen Verkauf oder den Einstieg eines Partners. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2011/12 (per Ende September) hatte die Sparte Steel Americas einen Verlust von knapp 800 Millionen Euro eingefahren. Am 11. Dezember legt Thyssen-Krupp seine Zahlen für das Geschäftsjahr vor.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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