Aktie im Sinkflug
Air Berlin hat die Krise auf dem Radar

Der Rekordölpreis macht Air Berlin schwer zu schaffen. Die nach der Lufthansa zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft startet ihr erstes Programm zur Kostensenkung. Das Streckennetz dünnt Air Berlin zum Winterflugplan ab Anfang November kräftig aus. Die Aktie reagierte mit einem Kurseinbruch.

DÜSSELDORF. Die Kapazitäten auf der Langstrecken sollen um 30 Prozent reduziert werden. Die erst im Mai aufgenommenen Strecken Düsseldorf-Schanghai und Düsseldorf-Peking werden bis auf weiteres aufgegeben. Zudem sollen spritfressende Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge ausgemustert werden. Statt der bisher geplanten 134 Maschinen sollen zum Jahresende nur 120 mit dem roten Logo abheben.

Das erwartete Sparprogramm verschaffte Air Berlin am Aktienmarkt jedoch keine Luft. Der Kurs des S-Dax-Konzerns, der seit Monaten unter Druck steht, fiel um acht Prozent auf fünf Euro. Damit erreichte er einen historischen Tiefstand. Air Berlin war im Sommer 2006 zu rund zwölf Euro an die Börse gegangen. Ihren bisherigen Höchststand erreichte die Aktie im Sommer 2007 mit über 20 Euro. Mit einer Marktkapitalisierung von nur noch rund 330 Mill. Euro gilt Air Berlin als Übernahmekandidat. „Die Kapazitätsreduzierungen sind eine vernünftige Reaktion auf einen sehr schwachen Markt. Die Restrukturierung kommt jedoch spät und wird auch Geld kosten“, sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

Die Erfolgsphase von Air Berlin war heftig aber kurz. Durch organisches Wachstum und die Übernahmen der deutschen Billigfluglinie DBA und der Ferienfluglinie LTU war die Gesellschaft in den vergangenen zwei Jahren zum ersten ernst zu nehmenden heimischen Konkurrenten der Lufthansa aufgestiegen. Die geplante Übernahme der Ferienfluggesellschaft Condor muss noch vom Bundeskartellamt genehmigt werden. Die aggressive Expansion hatte jedoch ihren Preis. Die selbst gesteckten Gewinnziele erreichte Air Berlin nicht immer. Im vergangenen Geschäftsjahr – einem Rekordjahr für die Branche – brach der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern auf 21 Millionen Euro (2006: 64,1 Millionen Euro) ein.

Das für Fluggesellschaften mit starkem touristischen Angebot traditionell schwierige erste Quartal verlief zwar besser als erwartet, blieb aber tiefrot. Der operative Verlust verringerte sich zum Vorjahr von 85 auf 67,7 Mill. Euro, und der Umsatz stieg um vier Prozent auf 654,5 Mill. Euro.

Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer dämpfte zudem erneut die Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr. Der Vorstand von Air Berlin geht nur noch von einem vagen, positiven Ergebnis vor Zinsen und Steuern aus. Um das Ziel zu erreichen, löst die Fluggesellschaft die in München ansässige Verwaltung der im Jahr 2006 übernommenen DBA auf. Für die betroffenen 52 Mitarbeiter soll ein Sozialplan erstellt werden.

In der Krise ist Air Berlin nicht allein. Auch die Billig- und Charterfluggesellschaft Tuifly streicht ertragsschwache Strecken und setzt weniger Maschinen ein – aber erst zum Sommerflugplan 2009. Die Zahl der angeflogenen Ziele soll um sechs auf 74 und die der eingesetzten Flugzeuge um drei auf 45 reduziert werden. Tuifly ist eine Tochter des Reisekonzerns Tui Travel. Der Mehrheitseigner, die Tui AG aus Hannover, verhandelt mit der führenden deutschen Fluggesellschaft Lufthansa seit Monaten über eine Fusion der Billigflugtöchter Tuifly und Germanwings sowie der Regionalfluggesellschaft Eurowings. Das Trio soll den führenden europäischen Billigfluglinien Ryanair und Easyjet Paroli bieten.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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