Aktie kann Talfahrt stoppen
Parmalat vor schmerzhafter Sanierung

Beim existenziell bedrohten Lebensmittelkonzern Parmalat bleibt kein Stein auf dem anderen. Nach dem Austausch der gesamten Führungsspitze gehen Banker und Analysten davon aus, dass das italienische Unternehmen einen Kapitalschnitt vornehmen wird. Auch wird es wohl große Teile seiner ausländischen Tochtergesellschaften verkaufen müssen.

MAILAND. Selbst eine vollständige Zerschlagung bzw. eine dem Gläubigerschutz dienende Zwangsverwaltung des Milch- und Keksimperiums, das im letzten Jahr 7,5 Mrd. Euro umgesetzt hat, gilt in Finanzkreisen nicht mehr als ausgeschlossen. „Die Art und Tiefe der Einschnitte wird aber davon abhängen, wie viele schwarze Löcher in und außerhalb der Bilanz noch gefunden werden,“ sagte gestern ein Mailänder Banker.

Die tatsächliche Finanzlage zu ermitteln ist zunächst die wichtige Aufgabe des neuen Präsidenten und Vorstandschefs, Enrico Bondi. Am Tag nach seiner Ernennung hat sich Italiens bekanntester Sanierer daran gemacht, die Bilanz zu durchleuchten und Ordnung in das verschachtelte Milchimperium der Familie Tanzi zu bringen. Gemeinsam mit dem früheren Generaldirektor des Stromversorgers Edison, Guido Angiolini, sowie seinem langjährigen Hausjuristen Umberto Tracanella wird der frühere Montedison- und Telecom-Italia-Chef bis Februar einen Restrukturierungsplan erarbeiten. Auf Bankseite wird das neue Management-Team, das den 51 %-igen-Kontrollaktionär Callisto Tanzi sowie dessen Bruder Giovanni und den langjährigen Finanzchef Fausto Tonna ersetzt hat, von Lazard (London) und Mediobanca unterstützt.

Auf Grund zahlreicher außerbilanzieller Verpflichtungen und einem komplexen Netz von Finanzgesellschaften in Steuerparadiesen ziehen italienische Zeitungen bereits Parallelen zum Fall Enron. In der Tat ist die Dynamik, mit der Parmalat in die Liquiditätskrise geraten ist, außergewöhnlich. Im Quartalsbericht zum 30. September behauptete der europäische Marktführer für Molkereiprodukte noch, über flüssige Mittel in Höhe von 4,2 Mrd. Euro zu verfügen. Wenige Wochen später konnte Parmalat eine Schuldverschreibung von 150 Mill. Euro nicht mehr fristgerecht bedienen. Nur mit Hilfe des Finanzministeriums, das Steuerrückzahlungen vorgezogen hat, sowie der Hausbanken, die weitere Überbrückungskredite gewährt haben, konnte die Obligation innerhalb einer Gnadenfrist zurückbezahlt und so die Insolvenz verhindert werden.

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