Aktie legt sofort 36 Prozent zu: Freispruch für Bayer im ersten Lipobay-Prozess

Aktie legt sofort 36 Prozent zu
Freispruch für Bayer im ersten Lipobay-Prozess

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer ist im ersten Schadenersatzprozess um das zurückgerufene Medikament Lipobay in den USA freigesprochen worden.

Reuters LEVERKUSEN/CORPUS CHRISTI. Bayer sei nicht verantwortlich für die Gesundheitsprobleme des Klägers, entschied die Jury in dem Prozess im texanischen Corpus Christi am Dienstag. "Wir sind freigesprochen worden und müssen keinerlei Schadenersatz leisten", bestätigte eine Bayer-Sprecherin in Leverkusen. Nach deutlichen Kursverlusten in den vergangenen Wochen stieg die Bayer-Aktie nach dem Freispruch um über 36 Prozent auf 13,81 Euro.

In dem Verfahren hatte ein 82-jähriger Mann Bayer auf 560 Millionen Dollar verklagt, weil der Cholesterinsenker Lipobay bei ihm Muskelschwund verursacht haben soll. Das Urteil war mit Spannung erwartet worden, da es als mögliche Richtlinie für weitere Verfahren gilt. Bisher gibt es rund 8400 Klagen gegen Bayer im Zusammenhang mit Lipobay. Bayer hatte Lipobay 2001 vom Markt genommen, weil das Medikament im Verdacht steht, als Nebenwirkung Muskelschwäche mit tödlichem Ausgang verursachen zu können. Der Leverkusener Konzern hat bislang rund 500 Klagen gegen Zahlung von 140 Mill. Euro ohne Haftungseingeständnis außergerichtlich beigelegt.

Der Anwalt des Klägers hatte in seinem Plädoyer von Bayer einen Strafzuschlag (punitive damages) von 500 Mill. Dollar gefordert, weil der Konzern Warnsignale über Nebenwirkungen des Cholesterinsenkers Baycol (der US-Markenname von Lipobay) ignoriert habe. Unter den geforderten "punitive damages" werden Strafzuschläge verstanden, die zusätzlich zu der Kompensation des eigentlichen Schadens zu zahlen sind. Bayers Anwalt Philip Beck hatte während der Plädoyers am vergangenen Donnerstag dagegen argumentiert, die Gesundheitsprobleme des Klägers seien nicht auf Baycol zurückzuführen.

Auf Grund der Unsicherheit über die Höhe möglicher Zahlungen hatten die Bayer-Aktien seit Jahresanfang rund 50 Prozent an Wert verloren. Die Schätzungen über die Höhe möglicher Zahlungen reichten in der Vergangenheit von einer bis zehn Mrd. Euro. Konzernchef Werner Wenning hatte bei der Bilanzvorlage in der vergangenen Woche erstmals eingeräumt, dass mögliche Schadenersatzzahlungen im Zusammenhang mit Lipobay die Deckung durch Versicherungen übersteigen könnten, falls sich die Kläger "in erheblichem Umfang" durchsetzten. Die Frage nach der Bildung von Rückstellungen werde immer wieder geprüft, hatte es geheißen. In der Vergangenheit hatte Bayer keine Rückstellungen für Lipobay gebildet.

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