Aktie rauscht nach unten
Heidelberger Druck enttäuscht Analysten

Ein ausgeglichenes Geschäftsergebnis im Gesamtjahr wird für die Heidelberger Druck immer unwahrscheinlicher. Nach Bekanntgabe vorläufiger Quartalszahlen empfahlen Analysten die Titel des Konzerns zum Verkauf.
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FrankfurtDer weltgrößte Druckmaschinenbauer Heidelberger Druck bleibt in der Krise stecken. Eine erneute Prognosesenkung wegen trüber Absatzaussichten versetzte allen aufkeimenden Hoffnungen auf eine Besserung der Lage bei dem gebeutelten Konzern einen Dämpfer. Der Aktienkurs rauschte am Dienstag mehr als sechs Prozent bis auf 1,49 Euro in die Tiefe.

Seit Jahresbeginn haben die im MDax gelisteten Papiere rund 60 Prozent ihres Wertes verloren, dabei hatten sie sich gerade von ihrem im September erreichten Jahrestief bei 1,20 Euro etwas erholt. „Der Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck wird seinem Ruf erneut gerecht, keine verlässliche Prognose abgeben zu können“, urteilte NordLB-Analyst Thomas Wybierek und empfahl die Titel zum Verkauf.

Der Konzern hatte am Montag nach Börsenschluss vorläufige Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2011/12 vorgelegt und angekündigt, dass ein ausgeglichenes Vorsteuerergebnis im Gesamtjahr voraussichtlich nicht erreicht werden könne. Die Druckbranche halte sich angesichts der konjunkturellen Risiken mit Investitionen zurück, vor allem in den USA, in Japan und den Mittelmeerstaaten. Deshalb werde die Nachfrage in der zweiten Hälfte wohl schwächer als erwartet ausfallen. Das operative Ergebnis soll sich gegenüber dem Vorjahr aber „spürbar“ verbessern.

Mittelfirstziele bleiben bestehen

Die meisten Analysten hatten bereits nach dem ersten Geschäftsquartal bezweifelt, dass das Unternehmen das Ziel eines ausgeglichenen Ergebnisses nach Steuern im Gesamtjahr erreichen könnte. Die Experten rechnen frühestens im kommenden Geschäftsjahr mit einer Belebung der Investitionen, wenn Heidelberger Druck und die Konkurrenten auf der alle vier Jahre stattfindenden Branchenmesse Drupa ihre Neuheiten präsentieren.

An seinen mittelfristigen Profitabilitätszielen hielt Heidelberger Druck fest, auch wenn sich die geplante Umsatzsteigerung auf über drei Milliarden Euro aufgrund der Nachfrageschwäche verzögern sollte. „Um diese Zielsetzung zu erreichen, werden wir alle dazu notwendigen Maßnahmen einleiten“, erklärte Vorstandschef Bernhard Schreier.

Analysten sehen ein weiteres Sparprogramm auf den Konzern zukommen: „Wenn die Nachfrage gedämpft bleibt und auch die Drupa 2012 keinen Impuls für die Aufträge bringt, muss Heidelberger Druck unserer Ansicht nach weitere Restrukturierungsmaßnahmen erwägen“, hieß es in einem Kommentar der DZ Bank. „Eine unendliche Geschichte“, resignierte die WestLB und senkte das Kursziel auf 1,11 Euro von 1,50 Euro.

Kurzfristige Sparmaßnahmen

Der Heidelberger Traditionskonzern stemmt sich seit Jahren gegen das rückläufige Geschäft mit Druckmaschinen und konnte nach der Lehmann-Krise nur mit Hilfe von Staatsgarantien neue Kredite aufnehmen. Trotz immer neuer Sparprogramme steckt Heideldruck weiter in der Verlustzone.

„Zur angestrebten Steigerung der operativen Profitabilität im laufenden Geschäftsjahr wurden kurzfristig umsetzbare Maßnahmen im Sachkosten- und Personalbereich eingeleitet“, teilte Heidelberger Druck mit. Diese umfassten Budgetkürzungen und die Fortsetzung der Kurzarbeit, die der Konzern abhängig von der Auslastung in Teilbereichen seit 2008 praktiziert, erläuterte ein Sprecher. Weitere Maßnahmen stünden nicht an, die Lage werde aber ständig geprüft.

Im zweiten Quartal des seit April laufenden Geschäftsjahres 2011/12 steigerte der Konzern nach vorläufigen Zahlen den Auftragseingang auf 668 Millionen Euro (Vorjahr 650 Millionen), der Umsatz legte auf 636 Millionen Euro (Vorjahr 633 Millionen) zu. Operativ und ohne Sondereinflüsse schrieb der Konzern mit einem Gewinn (Ebit) von rund fünf Millionen Euro wieder schwarze Zahlen, nachdem sowohl vor Jahresfrist als auch im ersten Geschäftsquartal noch ein Verlust zu Buche gestanden hatte.

Rivale Manroland hatte seinen Verlust im ersten Halbjahr 2011 fast halbiert und hält im Gesamtjahr operativ eine schwarze Null für möglich. Details zu den Zahlen des zweiten Quartals will Heidelberger Druck am 8. November veröffentlichen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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