Aktie verliert
Merck stellt Entwicklung von Parkinson-Mittel ein

Das Pharma- und Spezialchemieunternehmen Merck KGaA hat sich überraschend von dem als Hoffnungsträger gehandelten Parkinson-Mittel Sarizotan verabschiedet. Die Entwicklung des Medikaments werde nicht weiter verfolgt, teilte das im MDax notierte Unternehmen am Freitag in Darmstadt mit.

dpa-afx DARMSTADT. Studien der Phase III mit mehr als 1 000 Parkinson-Patienten hätten die Ergebnisse aus den vorherigen Testphasen nicht bestätigt. Die Aktie reagierte mit deutlichen Kursverlusten. Analysten nahmen die Nachricht aber überwiegend gelassen auf.

An der Prognose für das laufende Geschäftsjahr ändere sich nichts, sagte ein Sprecher des Unternehmens. So rechnet das Familienunternehmen früheren Angaben zufolge sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Ergebnis mit zweistelligen Wachstumsraten. Ursprünglich sei geplant gewesen, bis Ende dieses Jahres einen Antrag zur Zulassung von Sarizotan einzureichen, sagte der Sprecher. Das Mittel hätte also ohnehin erst 2007 den Umsatz beeinflussen können. Eine Prognose für das kommende Jahr gibt es bislang nicht.

Auf mögliche Spitzenumsätze von Sarizotan wollte der Sprecher nicht eingehen. "In der Regel sagen wir nichts zu Peak-Sales." Angaben des früheren Vorstandschefs Bernhard Scheuble, wonach sich Merck von dem Mittel Spitzenerlöse von bis zu einer halben Milliarde Euro weltweit erhofft hatte, wollte er nicht bestätigen. Zweifellos sei die Einstellung von Sarizotan aber ein Rückschlag. "Wir haben das auch nicht erwartet. Das ist natürlich enttäuschend." Im vergangenen Jahr hatte Merck einen Umsatz in Höhe von 5,87 Mrd. Euro und einen Gewinn von 673 Mill. Euro erwirtschaftet.

Erst vor kurzem hatte Merck im Bieterwettlauf mit Bayer um den Berliner Pharmakonzern Schering den Kürzeren gezogen. Merck hatte sich mit der Übernahme selbst gegen Angriffe größerer Konkurrenten wappnen wollen. Außerdem hätten die Darmstädter mit der Übernahme ihre Angebotspalette im Pharmabereich ausweiten und ihren Vertrieb verbessern können. Als deutsche Nummer vier gilt Merck im internationalen Vergleich nur als kleiner Spieler, die Produktpalette bei Medikamenten als begrenzt. Ein weiteres wichtiges Standbein ist die Chemie-Sparte mit dem Flüssigkristallbereich. Flüssigkristalle kommen in Flachbildschirmen zum Einsatz.

Die Aktie von Merck startete mit deutlichen Kursverlusten in den Handel. Bis gegen 10.00 Uhr verlor das Papier 5,34 Prozent auf 70,17 Euro. Analysten nahmen die Nachricht von der Einstellung dennoch überwiegend gelassen auf. "Sarizotan war sicherlich eines der drei wichtigsten Medikamente von Merck", sagte Analyst Martin Possienke von Equinet. Der Spitzenumsatz im Falle einer erfolgreichen Zulassung hätte seiner Einschätzung nach bei 500 Mill. Euro liegen können. Dennoch handele es sich nur um einen Rückschlag für das Darmstädter Unternehmen, aber "keinen Beinbruch." Er selbst habe für das Mittel ein 70-prozentiges Ausfallrisiko veranschlagt. Die Kursverluste der Aktie nannte er übertrieben.

Ein anderer Analyst sagte: "Wir hatten relativ begrenzte Umsatzhoffnungen für dieses Präparat. Merck sei normalerweise auf Krebsmedikamente, Blutdruckpräparate oder Diabetes-Mittel spezialisiert. Erkrankungen des Zentralen Nervensystems gehörten eigentlich nicht zu den Spezialgebieten. So sei der Ausfall zwar ärgerlich, aber nicht dramatisch. Die bisherigen Entwicklungskosten schätze der Experte auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

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