Aktien um 25 Prozent gefallen
Yukos warnt vor drohendem Bankrott

Der angeschlagene russische Ölkonzern Yukos hat angesichts seiner eingefrorenen Konten vor einer Verschärfung der Liquiditätskrise gewarnt, die schon bald zum Bankrott und zu erheblichen Produktionsausfällen führen könnte.

HB MOSKAU. „Das Unternehmen war noch im Stande, sein Cash-Defizit im Juli zu decken, aber es könnte möglicherweise nicht länger als maximal bis Mitte August dazu in der Lage sein“, erklärte das Yukos-Managment am Vormittag in Moskau. Es sei daher von zentraler Bedeutung, dass die laufenden Bemühungen zur Lösung des Steuerstreits mit den russischen Behörden Erfolg hätten, sagten Yukos-Manager auf einer eilends einberufenen Pressekonferenz. Der Ölpreis zog nach der Warnung des Unternehmens, von dem rund ein Fünftel der russischen Ölproduktion stammt, etwas an. Die Aktien reagierten mit kräftigen Kursverlusten. Analysten sagten jedoch, die Mitteilung habe kaum Neues mit Blick auf die Zukunft von Yukos gebracht.

Das Yukos-Management bemühe sich weiter nach Kräften, zur Begleichung der Nachzahlungsforderungen der Steuerbehörde in den Besitz von Barmitteln zu kommen, hieß es in der Erklärung. Doch von dem von Gerichtsvollziehern geforderten Zwangsverkauf seines Kerngeschäfts, Yuganskneftegaz, werde Yukos voraussichtlich keinen Rubel zu sehen bekommen. „Wenn Yuganskneftegaz verkauft wird, müsste das Management im gegenwärtigen Umfeld den Konkurs von Russlands größtem Ölkonzern bekannt geben“, teilte das Unternehmen mit. Zudem sei Yukos dann nicht mehr in der Lage, laufende Exportverträge zu erfüllen, was zu einem Engpass am Ölmarkt führen werde.

Die Gerichtsvollzieher wollen zur Begleichung einer Steuerforderung von 3,4 Mrd. Dollar allein für 2000 den Kernbereich verkaufen, der rund 60 Prozent der Yukos-Produktion ausmacht. Dessen Wert wird von Yukos auf 30 Mrd. Dollar geschätzt. Finanzchef Bruce Misamore nannte das Kerngeschäft das Rückgrat des Unternehmens. Die staatliche russische Vermögensverwaltung hatte am Vortag bekannt gegeben, ein rascher Verkauf der Konzerntochter sei kaum möglich, sondern dies könne mehrere Monate dauern. Im Zuge der Ermittlungen in dem Steuerstreit sind auch die Yukos-Konten eingefroren worden.

Yukos warnt vor Öl-Produktionsausfällen

Das Unternehmen beklagte, dem Management seien unter den gegenwärtigen Bedingungen die Hände gebunden. Sollte sich der Liquiditätsengpass verschärfen, werde dies Auswirkungen auch auf das Tagesgeschäft von Yukos und damit auch auf die Ölexporte Russlands haben. Dies löste am Markt Sorgen vor Lieferengpässen aus: Der Preis für ein Barrel der Nordsee-Ölsorte Brent zur Lieferung im September zog um 32 Cent auf 37,48 Dollar an. Die Aktien sackten dagegen kurz nach der Firmenmitteilung an der Moskauer RTS-Börse um mehr als zehn Prozent auf ein neues 30-Monatstief von 5,10 Dollar ab. In den beiden vergangenen Tagen haben Yukos-Aktien wegen der Sorgen vor einem nahenden Bankrott bereits 25 Prozent an Wert verloren.

„Ich glaube nicht, das wir aus der Erklärung neue Informationen bekommen haben“, sagte John Bates, Analyst der WestLB in London. „Die Regierung hat das Problem, dass sie faktisch die Kontrolle über den Fortbestand des Unternehmens übernimmt, aber dass sie den Markt nicht attraktiv macht für potenzielle Käufer.“

Insgesamt muss Yukos für die Jahre 2000 und 2001 Steuern in Höhe von rund 7 Mrd. Dollar nachzahlen. Zusammen mit Nachforderungen aus den Jahren 2002 und 2003 könnten sich die Steuerschulden nach Schätzungen von Analysten auf 10 Mrd. Dollar summieren.

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