Aktien und Anleihen des Autobauers stürzen ab
Angst vor GM-Insolvenz flammt auf

Die Ankündigung der US-Börsenaufsicht, die Bilanzen von General Motors zu prüfen, hat die Finanzmärkte in Aufregung versetzt. Die ohnehin prekäre Lage des Autogiganten spitzte sich weiter zu.

cü/hof/je/tor NEW YORK. Der Aktienkurs des Autoherstellers gab gestern um mehr als sechs Prozent nach. Die Kurse der Anleihen fielen um bis zu zwei Prozent, für Bonds ein dramatischer Wert.

Die Untersuchung durch die Börsenaufsicht SEC kostet den angeschlagenen Autohersteller erneut Reputation an den Finanzmärkten. Dies sei ein weiterer Rückschlag für den Autobauer und „lenkt den Konzernchef von der eigentlichen Aufgabe ab, das Unternehmen zu sanieren“, sagte Kevin Tynan von Argus Research in New York. Die jüngsten Meldungen heizen die Spekulationen über eine bevorstehende Insolvenz von GM weiter an. GM-Sprecherin Toni Simonetti dementierte jedoch entsprechende Gerüchte.

Nach massiv sinkenden Absatzzahlen und hohen Verlusten hatten Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit des Unternehmens bereits auf den Status von Schrottanleihen herabgesetzt. Mit einem umfassenden Restrukturierungsplan, der auch Fabrikschließungen, deutlichen Personalabbau und den Verkauf von Beteiligungen enthält, will GM im Automobilgeschäft wieder auf die Beine kommen. Die größten Probleme hat GM-Chef Rick Wagoner auf dem Heimatmarkt USA, wo das Unternehmen stetig Marktanteile verliert und seine Autos mit hohen Rabatten in den Markt drücken muss.

Die nun bekannt gewordene Prüfung der SEC bezieht sich in erster Linie auf die Bewertung von langfristigen Verpflichtungen in der Pensions- und Krankenversorgung, insbesondere in Bezug auf die ehemalige Tochter Delphi, die kürzlich Insolvenzantrag gestellt hatte. Bei der Ausgliederung des Zulieferers Delphi im Jahr 1999 hatte sich GM verpflichtet, im Falle eines Konkurses für die bis dahin aufgelaufenen Ansprüche geradezustehen. Nach Angaben von GM könnte das bis zu elf Mrd. Dollar an zusätzlichen Belastungen bedeuten.

Die Bilanzierung von zu erwartenden gesetzlichen und tariflichen Pensions- und Gesundheitsverpflichtungen beruht auf Schätzungen. „Die Verlockung, mit solchen Schätzungen zu manövrieren, ist immer gegeben, weil sich damit der Cash-Flow steuern lässt“, erläuterte der ehemalige SEC-Anwalt und Bilanzexperte der Wayne State University, Peter Henning. Zum Jahresende 2004 wies GM Vermögen von 91 Mrd. Dollar in seinen Pensionskassen aus und erklärte, das seien 1,5 Mrd. Dollar mehr als erforderlich. Die SEC kommt mit eigenen Rechnungen offenbar zu anderen Ergebnissen, vor allem unter Berücksichtigung der Garantien für Delphi.

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