Aktien von Arcelor und Thyssen-Krupp erreichen Jahreshöchststände – Salzgitter überrascht mit guten Zahlen
Stahlbranche kommt 2004 richtig in Fahrt

Für die europäische Stahlindustrie verspricht 2004 ein gutes Jahr zu werden. Grund dafür ist die von Konjunkturexperten vorhergesagte Erholung der Weltwirtschaft und der andauernde Stahlboom in China. Guy Dollé, der Chef des weltgrößten Stahlherstellers Arcelor mit Sitz in Luxemburg, erwartet, dass die Hersteller auf dem alten Kontinent „nach einem schwierigen ersten Quartal“ wieder in Fahrt kommen werden.

DÜSSELDORF. Arcelor beabsichtigt, Anfang Januar die Preise für bestimmte Stahlsorten um 5 % bis 7 % oder um bis zu 30 Euro je Tonne anzuheben, wie Dollé vor Journalisten in Düsseldorf sagte. Der Branchenprimus folgt damit dem Beispiel seiner großen europäischen Konkurrenten Corus und Thyssen-Krupp. Die angeschlagene britisch-niederländische Gruppe und die deutsche Nummer eins waren kürzlich mit der Ankündigung ähnlich hoher Preisaufschläge vorgeprescht.

Seit Frühjahr 2002 haben die Stahlhersteller die Preise für das wichtige Produkt Warmband in mehreren Stufen um insgesamt mehr als die Hälfte erhöht. Der erneute Schritt sei aber notwendig, „um den steigenden Kostendruck aufzufangen“, sagt Jost A. Massenberg, Vorstandsmitglied der ThyssenKrupp Stahl AG in Duisburg.

Vor allem der Stahlboom in China – dort steigt in diesem Jahr die Produktion um 50 Mill. auf 210 Mill. Tonnen – treibe die Preise wichtiger Einsatzstoffe für die Stahlerzeugung wie Eisenerz, Hochofenkoks und Stahlschrott in die Höhe. Zudem hätten sich die Seefrachtraten „exorbitant verteuert“. Wie die Wirtschaftsvereinigung Stahl ermittelt hat, verteuerten sich Erztransporte auf der Nordatlantikroute allein im September im Vergleich zum Vormonat um fast die Hälfte. Die Frachtraten für Kohlelieferungen aus Australien schossen zugleich um fast 60 % in die Höhe.

„Es gibt einfach zu wenig Schiffe für die gewaltig gestiegene Nachfrage“, sagt ein Rohstoffexperte. Seit den siebziger Jahren seien nur wenige neue Erzfrachter vom Stapel gelaufen. Für die europäischen Stahlhersteller haben die teuren Frachtraten freilich auch eine positive Seite: Sie wirken wie eine Importbarriere. Der starke Euro hatte zuletzt große Stahlmengen aus Brasilien angelockt. „Jetzt rechnet sich das nicht mehr“, vermutet der Stahlanalyst einer Frankfurter Bank.

Die europäischen Hersteller schalten nach einem Jahr der Stagnation jetzt einen Gang höher. Arcelor-Chef Dollé geht davon aus, dass dass der Konzern den Absatz von Flachstahlprodukten, deren Hauptabnehmer die Automobilhersteller sind, im nächsten Jahr um 5 % erhöhen wird. Zufrieden zeigte sich Dollé mit den bereits realisierten Synergieeffekten. Arcelor war 2001 aus der Fusion von Frankreichs Usinor, Arbed aus Luxemburg und der spanischen Aceralia entstanden. Bis Ende 2003 würden Einsparungen von 350 Mill. Euro – 50 Mill. mehr als beim Zusammenschluss geplant – erreicht. Auch das Ziel von 700 Mill. Euro Einsparungen bis Ende 2006 werde man vorzeitig erreichen, bekräftigte Dollé.

Stahlaktien stehen derzeit bei den Anlegern hoch im Kurs. Die Papiere von Arcelor und ThyssenKrupp markierten am Wochenende neue Jahreshöchststände. Auch Salzgitter verbuchte kräftige Aufschläge. Der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller überraschte Analysten mit einem Gewinnsprung im dritten Quartal. Vor Steuern verdiente der Konzern mit 16,3 Mill. Euro nahezu so viel wie im ersten Halbjahr. Allerdings sind im Überschuss auch 4,7 Mill. Euro Buchgewinn aus dem Verkauf einer US-Beteiligung enthalten.

Salzgitter sieht erste Zeichen für eine Belebung des Röhrengeschäfts, das unter den Folgen des Irak- Kriegs leidet und das dritte Quartal nur ausgeglichen abschloss. Jedoch belaste der schwache Dollar, da die Produkte – etwa Ölpipelines – in Europa hergestellt, aber am Weltmarkt verkauft würden. Vorsichtig erscheint die Prognose eines Vorsteuergewinns von 35 Mill. Euro im Gesamtjahr 2003. Bereits nach neun Monaten hat Salzgitter 33 Mill. Euro eingefahren – ein Rückgang gegenüber Vorjahr um die Hälfte. Der Konzernumsatz kletterte, vor allem dank eines florierenden Stahlhandels, um 5 % auf 3,7 Mrd. Euro.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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