Aktienkurs bricht ein
Rezessionsängste verhageln Heidelberger Druck das Geschäft

Die Furcht der US-Kunden vor einer Rezession und der starke Euro zwingen den weltgrößten Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck zur Rücknahme seiner optimistischen Geschäftsprognose. Die Aktie brach daraufhin dramatisch ein. Was die Geschäftsaussichten angeht zeichnet Finanzchef Dirk Kaliebe ein düsteres Szenario.

HB STUTTGART. Der Traditionskonzern wird in seinem im März endenden Geschäftsjahr 2007/08 bei Umsatz und Gewinn nicht vom Fleck kommen. In den USA wollten Druckereien wegen der eingetrübten Konjunkturaussichten nicht in neue Maschinen investieren. Rekordaufträge in Deutschland und Osteuropa können die Einbußen nicht wettmachen.

Die seit Monaten skeptischen Investoren ließen die Aktien am Dienstag fallen, der Kurs sank um mehr als 14 Prozent. „Wieder einmal hat Heidelberger Druck uns enttäuscht“, sagte ein Händler am Dienstag. Die Analysten von Sal. Oppenheim raten vom Kauf der Aktien ab.

Die Geschäftsziele von Heidelberger Druck sind wenige Wochen vor Ende des geschäftsträchtigen Schlussquartals Makulatur. Vor Steuern und Zinsen soll das Ergebnis (Ebit) den um positive Sondereffekte bereinigten Vorjahresgewinn von 302 Mill. Euro gerade noch übertreffen. Geplant war ein Plus von zehn bis 15 Prozent. Nach neun Monaten sind es 177 Mill. Euro. Der in Aussicht gestellte moderate Umsatzzuwachs ist unerreichbar, die Erlöse werde voraussichtlich bei 3,8 Mrd. Euro verharren. In den ersten drei Quartalen schrumpften sie um 0,8 Prozent auf 2,6 Mrd. Euro.

Vorstandschef Bernhard Schreier machte keinen Hehl aus dem schlecht laufenden Geschäft jenseits des Atlantik: „Wir haben sehr deutliche Rückgänge im Auftragseingang in den USA, was sich im Umsatz auswirken wird.“ Eine Belebung der Nachfrage sei in den nächsten Monaten nicht zu erwarten. Die Kunden zögerten mit der Anschaffung neuer Bogendruckmaschinen mindestens bis zur wichtigen Branchenmesse Drupa Ende Mai in Düsseldorf. Und die Banken vergäben nur zögernd Kredite. In Nordamerika schrumpfte der Auftragseingang von Oktober bis Dezember um ein Drittel auf 119 Mill. Euro.

Weltweit verringerte sich der Auftragsbestand um 6,6 Prozent auf knapp 1,2 Mrd. Euro. Damit sind die 19 500 Mitarbeiter die nächsten vier Monate voll ausgelastet.

Der starke Euro wird die Geschäftsaussichten wohl noch bis zum Ende des Jahrzehnts trüben. Finanzchef Dirk Kaliebe stellt sich mit einem „Worst-Case-Szenario“ darauf ein, dass der Dollar noch drei bis vier Jahre so billig bleibt. „Der schwache Dollar und der ebenfalls schwache Yen verschaffen unseren japanischen Wettbewerbern Vorteile“, sagte Schreier. Komori und Ryobi können ihre Bogendruckmaschinen auf dem US-Markt und in Asien deshalb billiger anbieten. „Die Preisverhandlungen werden diffiziler“, warnte der Vorstandschef.

Um die Belastung zu mildern, will der fast ausschließlich in Deutschland produzierende Konzern mehr in Dollar und Yen einkaufen. Die Belegschaft im kleinen Werk in China soll auf 200 Mitarbeiter wachsen. Eine Produktion im Dollar-Raum ist jedoch kein Thema, da Heidelberger Druck für seine Präzisionsmaschinen mit jeweils rund 100 000 Einzelteilen dort keine geeigneten Zulieferer findet.

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