Aktienkurs bricht um mehr als 14 Prozent ein
Autozulieferer Delphi droht mit Insolvenz

Die Angst vor einer Insolvenz des größten amerikanischen Automobilzulieferers Delphi steigt, nachdem Delphi-Chef Robert Steve Miller angekündigt hat, einen solchen Schritt nur mit Kostenkürzungen verhindern zu können. Zudem haben mehrere Ratingagenturen am Freitag die Bonitätseinstufung der ehemaligen Tochter von General Motors gesenkt. Die Aktie fiel daraufhin um 14,2 Prozent auf unter fünf Euro.

HB/Bloomberg FRANKFURT. Delphi hatte zuvor einen Kreditrahmen von 1,8 Mrd. Dollar durch einen Kredit von 1,5 Mrd. Dollar weitgehend ausgeschöpft. Der Automobilzulieferer steckt tief in den roten Zahlen und verhandelt mit seinem größten Kunden GM und der Automobilgewerkschaft UAW über ein Sanierungspaket. Delphi begründete denn auch die Kreditaufnahme mit den Kosten für die Restrukturierung des US-Geschäfts.

Marktbeobachter gehen davon aus, dass der Sanierungsexperte Miller, der seit 1. Juli an der Delphi-Spitze steht, mit seiner Ankündigung vor allem Druck auf General Motors ausüben wollte. GM, mit Delphi noch immer vertraglich eng verbunden, hat bereits seine Hilfsbereitschaft bekundet. Kein Wunder, denn im Falle eines Delphi-Bankrotts kämen auf GM riesige Kosten unter anderem für Pensionszahlungen von ehemaligen GM-Beschäftigten zu. „Miller spielt mit seinen Aussagen mit dem Feuer“, kommentierte Brian Johnson, Analyst beim Bankhaus Sanford C. Bernstein in New York: „Aber ich denke, er meint es ernst für den Fall, dass er nicht bekommt, was er will.“

Die Gespräche zwischen Delphi, GM und der Gewerkschaft über eine deutliche Kostensenkung sind nach Meinung von Experten die einzige Chance für Delphi, die Krise abzuwenden. Verhandelt wird über Arbeitsplatzabbau, weitgehende Vorruhestandsregelungen und ein Bündel sonstiger Kosteneinsparungen.

Richtschnur für die Verhandlungen ist das Ergebnis, das Ford im Mai mit seiner ebenfalls notleidenden Zuliefertochter Visteon geschlossen hat, hinter Delphi die Nummer zwei am US-Markt. Ford nimmt danach 24 Fabriken mit 17 400 Beschäftigen zurück und gewährt Visteon zusätzliche Kredite. Miller hatte bereits angedeutet, dass sowohl GM als auch die Gewerkschaften kompromissbereit seien. Beide wüssten, dass eine Einigung für alle Seiten billiger und weniger schmerzhaft werde als die Insolvenz, sagte der 63-Jährige. Delphi schreibt seit drei Quartalen tiefrote Zahlen, allein im letzten Quartal betrug der Verlust 409 Mill. Dollar. Die Umsätze waren in Folge der Absatzkrise bei GM um 6,8 Prozent gesunken. GM steckt selbst im US-Geschäft tief in der Krise und befindet sich mitten in einer schmerzhaften Restrukturierungsphase.

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