Aktienkurs
Porsche wettert gegen Leerverkäufe

Bei Porsche ist man ziemlich sauer auf die Börse, zumindest auf einige Akteure. Vor allem auf die, die mit ihren Leerverkäufen den Aktienkurs von VW so hoch getrieben hatten. Das müsse man "sofort verbieten", fordert Finanzvorstand Holger Härter laut einem Vorabbericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel".

HB FRANKFURT. Der Aktienkurs von VW war vergangene Woche in astronomische Höhen von bis zu 1 005 Euro gestiegen, weil sich Hedgefonds mit den knapp gewordenen Papieren eilig eindecken mussten. Sie hatten auf fallende Kurse spekuliert und waren auf dem falschen Fuß erwischt worden, als Porsche offenbarte, dass nur noch wenige VW-Papiere im freien Handel waren.

Bei Leerverkäufen leiht sich der Spekulant zunächst Aktien nur, um sie anschließend weiterzuverkaufen. Fällt der Kurs, kann er die Papiere später billiger erwerben und an den Entleiher zurückgeben. Die Differenz verbucht er als Gewinn.

Die Kursexplosion der VW-Aktie könnte die Pläne von Porsche durchkreuzen, noch in diesem Jahr die Mehrheit an Volkswagen zu übernehmen. Die Papiere müssten zum Marktpreis in die Bücher genommen werden, wenn Porsche die Optionen darauf ausübt. Bei fallenden Kursen drohten dann hohe Abschreibungen. Ein Sprecher sagte am Samstag, Porsche halte an dem Plan einer Übernahme der Mehrheit bis Dezember fest, "wenn es wirtschaftlich sinnvoll ist". Bisher hält Porsche 42,1 Prozent der Stammaktien von VW.

Der Stuttgarter Sportwagenhersteller peilt im kommenden Jahr 75 Prozent an und will dann einen Beherrschungsvertrag schließen, der ihm den vollen Durchgriff auf VW sichert. Vorher müsste allerdings das VW-Gesetz von der EU gekippt werden, das die Hürde für eine Beherrschung auf 80 Prozent festlegt. Das Land Niedersachsen hält eine Sperrminorität von 20,1 Prozent. Einem "Focus"-Bericht zufolge will Porsche schon auf der VW-Hauptversammlung im April über den Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abstimmen lassen.

Nach Informationen des Magazins legten Härter und Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking die detaillierten Übernahme-Pläne vor wenigen Tagen bei einem Treffen mit VW-Boss Martin Winterkorn und dessen Finanzchef Hans Dieter Pötsch offen. Eine befürchtete Zerschlagung von Volkswagen sei demnach nicht geplant. Alle Konzerntöchter wie Audi oder Skoda würden in der Verantwortung von VW bleiben. Der Porsche-Sprecher erklärte dazu lediglich, Treffen zwischen Wiedeking und Winterkorn fänden regelmäßig statt. Über Inhalte wollte er sich nicht äußern.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger mahnte im Übernahmekampf zwischen Porsche und VW zu Sachlichkeit. „Gäbe es Porsche und seine Eigentümer nicht, müssten wir bei einem ganz anderen Börsenkurs von Porsche Sorgen um die Handlungsfähigkeit von VW haben. Das wird derzeit bei allen Beteiligten zu wenig gesehen“, sagte der CDU-Politiker. Porsche sei „in Wahrheit ein Garant und kein Feind von VW. Ein Unternehmen, das in Wolfsburg produziert und deutsche Eigentümer hat, kann mit sehr viel mehr Zuversicht in die Zukunft gehen, als wenn es durch Hedgefonds getrieben und gespalten würde,“ sagte Oettinger.

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