Aktienpaket abgestoßen
Vossloh-Gründerfamilie gibt die Macht ab

Die Gründerfamilie des Vossloh-Konzerns hat sich vom größten Teil ihres Aktienpaketes getrennt - und gibt damit die Macht über das Unternehmen ab. Aufsichtsratschef Thiele ist nun größter Einzelaktionär.
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DüsseldorfPaukenschlag bei Vossloh: Im Kampf um die Macht bei dem Bahntechnikkonzern hat die Gründerfamilie aufgegeben und sich vom größten Teil ihres rund 30-prozentigen Aktienpaketes getrennt. Damit hat Aufsichtsratschef Heinz Hermann Thiele mit seiner Beteiligung von knapp 30 Prozent unangefochten das Sagen bei dem Traditionskonzern. Wie die Familie am Mittwoch mitteilte, hat sie rund 22 Prozent der Anteile bei institutionellen Anlegern für knapp 200 Millionen Euro platziert. Die Papiere wurden zu je 68 Euro verkauft, sieben Prozent unter dem Schlusskurs vom Dienstag.

Die mehr als 100-köpfige Dynastie sei seit langem nicht mehr in der operativen Führung des Konzerns aktiv, begründete ein Sprecher den Ausstieg der Gründer. Teile der Familie hätten daher in den zurückliegenden Monaten überlegt, ihr Vermögen breiter anzulegen und nun ihre Interessen gebündelt. Den Ausschlag hätten aber die Ereignisse auf der Hauptversammlung im Sommer gegeben. Damals war es zum Eklat zwischen Thiele, Eigentümer von Knorr Bremse, und der Gründerfamilie gekommen. Sie hatte offen Front gegen den Milliardär gemacht, da er seine Ziele für Vossloh nicht offenlege. Doch Thieles - wenn auch knappen - Einzug - in den Aufsichtsrat konnte die Familie ebenso wenig verhindern wie die Wahl Thieles zum Chef des Kontrollgremiums.

Thiele war im Frühjahr 2011 bei Vossloh eingestiegen und hatte seine Anteile nach und nach aufgestockt. Auf dem Aktionärstreffen hatte der öffentlichkeitsscheue 72-Jährige erklärt, es sei ein „Mikroskop“ nötig, um einen Unterschied zwischen seinem Anteil und dem der Familie auszumachen. Wenn er seinen Anteil auf mehr als 30 Prozent aufstockt, müsste er den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten. Bislang hat Thiele aber Übernahme-Spekulationen wiederholt eine Absage erteilt.

Mit dem Ausstieg der Gründerfamilie steigt der Streubesitz bei Vossloh. Die geringe Zahl von Aktien, die nicht in festen Händen waren, hatte zum Abstieg von Vossloh aus dem Nebenwerteindex MDax in den SDax geführt. Am Mittwoch hielten sich die Papiere mit 69,55 Euro über dem Platzierungspreis.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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