Aktionäre billigen Fusion der Muttergesellschaften
Royal Dutch und Shell geben Doppelleben auf

Eine rund 100 Jahre alte Doppelstruktur ist bald Geschichte: Die Muttergesellschaften des Ölkonzerns Shell - die niederländische Royal Dutch Petroleum und die britische Shell Transport and Trading - werden zu einem Unternehmen verschmolzen.

HB LONDON/DEN HAAG. Die Aktionäre beider Unternehmen beschlossen die Zusammenführung am Dienstag bei Hauptversammlungen in Den Haag und London und kamen damit dem Drängen der Ölgesellschaft nach. Diese verspricht sich von der für den 20. Juli anvisierten Vereinigung eine Straffung der Management-Strukturen. Die bisherige duale Struktur - beide Muttergesellschaften stellten Manager ab - war unter anderem für eine Überbewertung der Shell-Ölreserven verantwortlich gemacht worden, die dem Unternehmen schadete.

Die neue Gesellschaft soll unter dem Namen Royal Dutch Shell firmieren und ihren Hauptsitz in Den Haag haben. Haupthandelsplatz der Aktien soll die Börse in London sein. Mit Aufnahme des Handels mit der neuen Aktie wird Shell voraussichtlich die Ölfirma mit der weltweit dritthöchsten Marktkapitalisierung sein - mehr als 200 Mrd. Dollar.

Sowohl die Aktien von Royal Dutch in Amsterdam als auch die von Shell in London reagierten auf die Entscheidung mit Kurssprüngen von gut drei Prozent. Die neue Shell-Aktie wird ihre Gewichtung im britischen Börsenindex FTSE 100 voraussichtlich verdoppeln. Dies wird Experten zufolge kräftige Zukäufe von Fonds auslösen, die den Index in ihren Portfolios nachbilden. Die Investmentbank Goldman Sachs rechnet daher mit einem zusätzlichen Kaufinteresse im Volumen von sieben Mrd. Dollar.

97,4 % der Aktionäre von Royal Dutch, die 60 % der Anteile an Shell halten, stimmten der Verschmelzung in Den Haag zu. In London betrug die Zustimmung sogar 99,75 %. „Die Umstrukturierung der Gesellschafter ist wichtig, um das Geschäft stärker nach vorne auszurichten und verantwortlicher zu gestalten“, sagte der Chef von Shells Fördersparte, Malcolm Brinded, bei der Aktionärsversammlung in London.

Anleger begrüßten den Beschluss. „Ich denke, die Vereinigung wird dem Unternehmen sehr helfen, und Privatanleger werden davon profitieren. Es wird sicherlich gut sein für den Ruf des Unternehmens“, sagte ein Privatanleger in Den Haag. Ein niederländischer Vertreter eines institutionellen Investors ergänzte: „Das hätte schon 1907 passieren sollen.“ Damals war die Shell-Gruppe entstanden.

Seite 1:

Royal Dutch und Shell geben Doppelleben auf

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%