Aktionäre billigen Statutenänderung
Brabeck bekommt Doppelmandat bei Nestle

Peter Brabeck baut seine Macht an der Spitze des weltgrößten Lebensmittel-Multis Nestle aus. Die Hauptversammlung stimmte am Donnerstag trotz Kritik mit knapper Mehrheit einer Statutenänderung zu, mit der der Konzernchef zusätzlich Präsident des Verwaltungsrates werden kann.

HB LAUSANNE. „Ich werde dieses Mandat akzeptieren, mit dem kleinen Wermutstropfen angesichts der Umstände“, sagte Brabeck am Donnerstag auf der Generalversammlung des weltweit grössten Nahrungsmittelkonzerns. Nun will Nestle in spätestens drei Jahren einen Nachfolger für Brabeck als CEO bestimmen.

„Ich kann ihnen nicht verbergen, dass das Abstimmungsresultat enttäuschend ist“, sagte Brabeck, der zuvor schon Vizepräsident des Verwaltungsrates war. Von den anwesenden Aktionären stimmten allerdings nur gut 50 % für ein Doppelmandat. Mit rund 36 % sprach sich eine unerwartet hohe Zahl für einen Antrag der Anlagestiftung Ethos aus, der eine Ämterhäufung verhindert wollte. Rund 14 % enthielten sich der Stimme.

In den Medien hatte die Fragen guter Unternehmensführung (Good Governance) eine wochenlange Debatte ausgelöst; Brabeck hatte das Doppelmandat zur Vertrauensfrage gemacht und mit einem Rücktritt gedroht. „Im Interesse der strategischen Kontinuität sollte eine Ämtertrennung ausgeübt werden“, sagte Ethos-Chef Dominique Biedermann. Er wies zudem darauf hin, dass zur guten Unternehmensführung auch die Nachfolgeregelung gehöre. Auch einige Kleinaktionäre betonten, es gebe zu denken, dass der Konzern offenbar die Nachfolgefrage an der Spitze nicht rechtzeitig habe lösen können.

Wegen der Umstände und der gegenwärtigen Zusammensetzung des Verwaltungsrates sei ein Doppelmandat die beste Lösung, so der aus Altersgründen scheidende Verwaltungsratspräsident Rainer Gut. „Ich glaube nicht, dass die Arbeit des Verwaltungsrates von Nestle dieses Misstrauen verdient“, so Gut vor der Abstimmung zu dem umstrittenen Ethos-Antrag. Er räumte allerdings ein, dass „im Grund genommen“ eine Trennung der beiden Mandate vorzuziehen sei.

In zwei bis drei Jahren solle ein Nachfolger an der Konzernspitze gefunden sein. Dabei stütze sich der Verwaltungsrat auf Brabeck und dessen „vertiefte Kenntnis“ der Kandidaten, so Gut.

Neu in den Verwaltungsrat gewählt wurde der gebürtige Deutsche Günter Blobel. Der Nobelpreisträger für Physiologie/Medizin ersetzt damit den mit dem Abgang Rainer Guts frei werdenden Platz in dem Aufsichtsgremium.

Zwei weitere Anträge von Ethos, die Mitglieder des Verwaltungsrates einzeln zu wählen und das Recht auf Traktandierung auf der Generalversammlung auszudehnen, wurden abgelehnt. Für einen Antrag auf Verkürzung der Amtsdauer von Verwaltungsräten auf drei von derzeit fünf Jahren kam nicht das nötige Quorum zustande.

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