Aktuelle Quartalszahlen
BP reduziert Produktionsprognose

Die Serie der Gewinnrekorde in der Ölindustrie geht langsam zu Ende. Das Ergebnis, das BP am Dienstag vorlegte, lässt Spielraum für Interpretationen. Auch wenn die Pannenserie in Nordamerika das Unternehmen im gewissen Maße zum Sonderfall macht, so weisen doch sinkende Raffineriemargen und höhere Kosten auf Probleme hin, die die ganze Branche treffen.

LONDON. Der britische Ölkonzern BP berichtete am Dienstag für das dritte Quartal einen um vier Prozent niedrigeren Reingewinn. Während der Reingewinn auf 6,2 Mrd. Dollar sank, sprang der für die Branche als treffendste Kennzahl geltende Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten um 58 Prozent auf knapp sieben Mrd. Dollar. Darin enthalten sind jedoch knapp 2,5 Mrd. Dollar an Sonderposten, vor allem Einnahme aus Beteiligungsverkäufen. Damit bleibt ein bereinigter Wert von 4,5 Mrd. Dollar, der kaum noch über dem Vorjahresquartal liegt. Analysten hatten im Durchschnitt mit 4,7 bis 4,8 Mrd. Dollar gerechnet.

Die Serie von Unfällen in den USA von der tödlichen Explosion in der Raffinerie in Texas City bis zu dem Ölleck in einer Pipeline in Alaska belastete BP sowohl direkt als auch indirekt. Das Unternehmen gab bekannt, dass es wegen der laufenden Prozesse um den Unfall in Texas weitere 400 Mill. Dollar für mögliche Schadenersatzzahlungen zurückgelegt hat. Damit steigen die Kosten für das Raffinerieunglück auf rund zwei Mrd. Dollar. Zugleich drückte der monatelange Ausfall des Ölfeldes Prudhoe Bay in Alaska wegen rostender Pipelines die Produktion des Konzerns. BP senkte die Schätzung für die Jahresproduktion von 4,1 bis 4,2 Mill. auf nur noch 3,95 Mill. Barrel (159-Liter-Fass) am Tag.

Beides belastete das Quartalsergebnis, doch es kommen weitere Faktoren hinzu, die auch die Ergebnisse anderer Ölkonzerne belasten dürften. So brachen die Raffineriemargen kräftig ein, was nur teilweise durch bessere Verkaufspreise für Ölprodukte kompensiert wurde. Das Ergebnis des Raffinerie- und Vermarktungsgeschäfts sank somit um ein Fünftel auf 1,5 Mrd. Dollar. Die Raffinerien hatten in den vergangenen Quartalen ungewöhnlich gute Ergebnisse erwirtschaftet, weil nach den Wirbelstürmen in den USA im Herbst 2005 Kapazitäten ausgefallen waren.

Etliche Analysten rechnen damit, dass auch Erzkonkurrent Royal Dutch Shell am morgigen Donnerstag einen Gewinnrückgang melden wird.

Zudem trug die Steuererhöhung der britischen Regierung auf die Gewinne aus Nordsee-Öl und -Gas dazu bei, dass die Steuerquote von 34 auf 40 Prozent kletterte. Diese Belastung bekommen alle Energiekonzerne, die in der britischen Nordsee aktiv sind, zu spüren.

Die Zahlen bildeten deutlich die Probleme ab, die BP in den vergangenen Jahren in den USA gehabt habe, sagte Fondsmanager Makis Kaketsis von F&C Asset Management. „Der Heiligenschein, den das Management getragen hat, ist verrutscht.“ Keith Bowman, Analyst des Brokerhauses Hargreaves Lansdown, zeigte sich enttäuscht über die Produktionsdaten. Der Konzern müsse hart arbeiten, um die Ausfälle wettzumachen, sagte er. Neben Alaska macht BP vor allem zu schaffen, dass sich der Produktionsanlauf einer neuen Tiefwasser-Plattform im Golf von Mexiko immer weiter verzögert. Auch andere Ölkonzerne haben damit zu kämpfen, dass neue Lagerstätten immer schwerer zu erschließen sind und dass Material und Dienstleistungen immer teurer werden.

Der Ölpreis, der den Konzernen zuletzt ohne eigenes Zutun von Quartal zu Quartal üppigere Gewinne in die Kassen spülte, scheint sich indessen trotz der beginnenden Wintersaison unter 60 Dollar je Barrel festzusetzen. Zu Beginn des dritten Quartals hatte er noch einen Rekordstand von über 78 Dollar erreicht. Gestern geriet er weiter unter Druck, weil Wetterprognosen darauf hindeuten, Obwohl die Opec-Staaten vereinbart haben, die Produktion zu kürzen, hat sich der Preis nicht wieder über die gewünschte Marke von 60 Dollar bewegt. Gestern setzte ihn Analysten zufolge die Prognose unter Druck, dass der November auf der nördlichen Halbkugel relativ mild sein werde.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%