AKW-Technik
Toshiba bekennt sich zu Westinghouse

Der japanische Elektronikkonzern Toshiba übernimmt den US-amerikanischen Atomenkraftwerks-Bauer Westinghouse Electric für 5,4 Mrd. Dollar (4,4 Mrd Euro).

HB TOKIO/LONDON. Wie Toshiba am Montag bekanntgab, erzielte das Unternehmen mit der staatlichen britischen Gesellschaft British Nuclear Fuels, zu der Westinghouse gehört, eine „definitive Einigung“ zur Übernahme des Unternehmens. Nach der am Montag in London unterzeichneten Kauf- und Verkaufsvereinbarung wird Toshiba 100 Prozent der Anteile von Westinghouse übernehmen, hieß es.

Man erwarte, dass mehrere kleinere Investoren die Gelegenheit ergreifen und sich beteiligen. Toshiba werde dabei eine Kontrollmehrheit von über 51 Prozent behalten, hieß es weiter. Die Akquisition – die größte eines japanischen Unternehmens seit NTT DoCoMo im November 2000 Teile des US-Telekomriesens AT&T übernahm – soll innerhalb der nächsten sechs Monate abgeschlossen sein.

Toshiba war im Januar aus dem monatelangen Verkaufsverfahren als aussichtsreichster Bieter hervorgegangen und hatte mit seinem Angebot unter anderem den US-Konzern General Electric und die japanische Mitsubishi Heavy Industries Ltd ausgestochen. Experten hatten zu Beginn des Bieterverfahrens von einem möglichen Preis von 1,8 Mrd. Dollar gesprochen. Analysten befürchten nun, dass der Kaufpreis die finanzielle Ausstattung von Toshiba zu sehr belastet. Der Konzern war aber schon vergangene Woche solchen Bedenken entgegengetreten und hatte erklärt, Toshiba könne seinen Teil des Kaufpreises aus dem Cash-Flow bezahlen.

Toshiba, unter anderem der weltweit drittgrößte Computer- und viertgrößte Halbleiter-Hersteller, baut mit der Übernahme sein Geschäft mit Reaktoren für die Atomindustrie deutlich aus. Toshiba stellt vor allem Siedewasserreaktoren her, während Westinghouse sich auf Hochdruckreaktoren spezialisiert hat. „Hochdruckreaktoren machen rund 60 Prozent des Weltmarktes aus, Siedewasserreaktoren weniger als 30 Prozent“, erläutert Tomoko Murakami vom japanischen Institute of Energy Economics das Potenzial. „In China und den USA, wo neue Atomkraftwerke vor allem gebaut werden, sind Hochdruckreaktoren die vorherrschende Technologie“, fügte er hinzu.

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