Akzo Nobel erhöht Gebot auf 11,8 Milliarden Euro
ICI stimmt angeblich Übernahme zu

Das britische Chemieunternehmen Imperial Chemical Industries (ICI) hat sich nach einem Pressebericht offen für eine Übernahme durch den Wettbewerber Akzo Nobel gezeigt. Das Unternehmen hat seine Offerte Kreisen zufolge kräftig aufgestockt.

dih HB BRÜSSEL. Die Gesellschaft hätte einen entsprechenden Vorvertrag unterzeichnet, berichtete das "Wall Street Journal Europe" am Montag unter Berufung auf informierte Kreise. Der gebotene Kaufpreis werde bei rund acht Mrd. britischen Pfund (11,8 Mrd Euro) liegen. Ein Akzo-Sprecher wollte dies am Sonntag nicht bestätigen, ICI war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Während sich Akzo den Großteil von ICI einverleiben will, wird die Düsseldorfer Henkel AG die Klebstoff-Sparte des britischen Chemieunternehmens übernehmen. Akzo Nobel und Henkel würden nun die Bücher prüfen und wenn alles glatt ginge, könnte in den kommenden Tagen eine formelle Übernahmevereinbarung getroffen werden, schreibt die Zeitung.

Akzo Nobel hatte im Juni das in der Branche seit langem erwartete Angebot für ICI abgegeben. Der niederländische Chemiekonzern hatte im Frühjahr durch den Verkauf seiner Pharmasparte Organon rund elf Mrd. Euro eingenommen und will die Chance nutzen, das Kerngeschäft zu verstärken. Mit dem Kauf des „Dulux“-Produzenten ICI könnte er zum klaren Weltmarktführer im Geschäft mit Farben und Lacken werden. Das erste Angebot von 600 Pence je ICI-Aktie lehnte der Vorstand des britischen Konzerns allerdings sofort als viel zu niedrig ab. Auch eine weitere Erhöhung brachte keinen Erfolg. Das jetzige Angebot soll bei 670 Cent pro Aktie - also acht Mrd. britischen Pfund (11,8 Mrd Euro) - liegen.

Ende Juli holte Akzo den deutschen Henkel-Konzern ins Boot. Er will Akzo nach einer erfolgreichen Übernahme von ICI große Teile des britischen Konzerns abkaufen, die nicht ins Portfolio der Niederländer passen. Wie viel Henkel für die Bereiche Klebstoffe und Electronic Materials bezahlen will, ist nicht bekannt. In London kursiert die Zahl von 3,5 Mrd. Euro. Der Akzo-Sprecher sagte, erst wenn der Kauf von ICI gelungen sei, werde mit Henkel ein Preis festgelegt. Die Kooperation mit Henkel habe Akzo neuen Spielraum gegeben.

Der bisher gebotene Preis von 650 Pence je Aktie entspricht dem 13-fachen des ICI-Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda). Das ist schon deutlich mehr als die derzeit börsenübliche Bewertung von Chemiefirmen, die eher beim Acht- bis Neunfachen liegt. Eine Erhöhung auf 670 Pence würde das Ebitda-Vielfache auf rund 13,5 steigern. Sie würde den ICI-Aktionären eine Prämie von 44 Prozent auf den Kurs vom 9. März bieten, dem Tag, an dem Akzo den Verkauf der Pharmasparte angekündigt hat.

Angesichts dieser relativ hohen Bewertung regt sich Widerstand bei den Akzo-Aktionären. Angeführt wird dieser, wie bei anderen Übernahmekämpfen jüngerer Zeit, von Hedge-Fonds, die inzwischen nach Analystenschätzungen rund ein Viertel der Akzo-Aktien halten. Einer von ihnen, TPG-Axon, hat den Vorstand in einem offenen Brief aufgefordert, nicht zu viel für ICI zu zahlen. Der Akzo-Sprecher sagte dazu nur, die Führung des Konzerns sei für ihre aktionärsfreundliche Politik bekannt.

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