Akzo Nobel wehrt PPG-Übernahme ab
Die kalte Schulter der Niederländer

Der niederländische Farbenhersteller Akzo Nobel hat den US-Konkurrenten PPG erfolgreich abgewimmelt und bleibt vorerst solo. Doch das Scheitern der Übernahme setzt die Akzo-Führung schwer unter Druck. Eine Analyse.
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DüsseldorfDrei Monate vergebene Mühe: Der amerikanische Konzern PPG hat am Donnerstag seine Pläne zur Übernahme von Akzo Nobel aus den Niederlanden aufgegeben. Es sollte der mit Abstand größte Farbenhersteller der Welt geschaffen werden: PPG mit seiner Expertise in Flugzeugbeschichtungen, Akzo mit seinen starken Marken im Automobillack sowie Wandfarben wie etwa Dulux. Annähernd 30 Milliarden Euro wollten die Amerikaner schlussendlich auf den Tisch legen.

Doch der Deal ist nun gescheitert. Die Akzo-Führung hat sich erfolgreich gegen jedes Gespräch mit den Amerikaner gewehrt hat. Was sich in den vergangenen Wochen zwischen den in Amsterdam und Pittsburgh/Penn ansässigen Firmen abspielte, ließ selbst erfahrene M&A-Experten erstaunen. Akzo Nobel hat es geschafft, mit kalter Schulter die Amerikaner auf Distanz zu halten. Die Avancen per Brief, die Bitten um ein Gespräch per Telefon – sie wurden von den Niederländern schroff zurückgewiesen.

Die Akzo-Führung kann das Scheitern der Übernahme als großen Erfolg verbuchen. Als PPG den Kaufpreis in die schwindelerregende Höhe von 30 Milliarden Dollar trieb, war die Branche davon ausgegangen, dass die Niederländern schwach werden und keine andere Wahl haben. Noch dazu wurden sie vom Hegdefonds Elliott dazu getrieben, endlich Gespräche aufzunehmen.

Sicher, Akzo hatte auch Glück. Das komplizierte heimische Übernahmerecht machte eine feindliche Übernahme von Beginn an unwahrscheinlich. Zudem scheiterte Elliott vor Gericht mit der Forderung, die Führung von Akzo auf einer außerordentlichen Hauptversammlung austauschen zu dürfen.

Aber die Niederländer haben bewiesen, dass sich Beharrlichkeit und Sturheit auszahlen kann. Die Lehre lautet: Nicht jede Firma, die von einem Konkurrenten mit dicken Taschen umarmt wird, muss sich deren Avancen hingeben. Es gibt sie, die erfolgreiche Gegenwehr.

Ein befreiender Sieg ist es für Akzo Nobel allerdings nicht. Denn der Konzern steht nach dem Scheitern des Deals stark unter Druck. Chef Ton Büchner hatte die Offerte von PPG stets als zu niedrig zurückgewiesen, obwohl sie zuletzt mehr als 40 Prozent über dem Börsenwert lag, den Akzo vor Bekanntwerden des Angebots hatte. Nun fragen die Aktionäre zurecht, wie Büchner den Aktienkurs aus eigener Kraft auf ein solches Niveau heben will. Ob der vorgestellte Plan zur Aufspaltung und zum Verkauf der Chemiesparte dafür ausreicht ist fraglich. Die Chancen sind nicht gering, dass PPG nach Ablauf der Frist von sechs Monaten erneut bei den Niederländern anklopft.

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