Alcon-Übernahme
Novartis zeigt sich kompromissbereit

Manchmal gilt auch in der Unternehmenswelt: Der Klügere gibt nach. Der Pharmakonzern Novartis lenkt in dem seit fast einem Jahr schwelenden Streit um die Alcon-Übernahme ein und behandelt die Minderheitsaktionäre des amerikanischen Augenheil-Weltmarktführers nun gleich wie den ehemaligen Mehrheitseigentümer Nestle.
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HB ZÜRICH. Insgesamt lässt sich der Basler Arzneimittelhersteller die volle Kontrolle über Alcon 51,6 Milliarden Dollar kosten. Seinen Aktionären versüßt Novartis die teurere Akquisitionen mit der Wiederaufnahme des Aktienrückkaufprogramms.

Novartis einigte sich nach Angaben vom Mittwoch mit den Alcon-Minderheitsaktionären auf einen Übernahmepreis von 168 Dollar für deren Aktien. Sie erhalten damit gleich viel wie der Lebensmittelkonzern Nestle für sein Paket. Gemeinsam mit dem Geschäftsbereich Ciba Vision wird das Alcon-Geschäft künftig eine eigene Augenheil-Division bilden, deren Umsatz 2009 auf Pro-forma-Basis 8,7 Milliarden Dollar betrug. Insgesamt setzte Novartis im Vorjahr 44,3 Milliarden Dollar um.

Die Alcon-Aktionäre erhalten für ihre Aktien bis zu 2,8 Novartis-Titel plus eine Barzahlung, falls der Wert der Tauschofferte unter 168 Dollar je Aktie liegen sollte. Zu aktuellen Kursen beläuft sich die Bar-Komponente auf rund 900 Millionen Dollar. Novartis will maximal 215 Millionen Aktien für die Transaktion bereitstellen. Abhängig von der Entwicklung des Aktienkurses und des Dollars könnten die Schweizer schlussendlich aber sogar ohne Barzahlung davonkommen und weniger Aktien ausgeben. Die Transaktion - formell eine Fusion von Novartis und Alcon - soll im ersten Halbjahr 2011 abgeschlossen werden.

Novartis hatte in zwei Schritten Nestles 77-prozentiges Alcon-Paket für insgesamt 38,7 Milliarden Dollar übernommen. Für die restlichen Anteile des US-Konzerns hatten die Schweizer bisher 2,8 eigene Titel im Tausch angeboten. Gegen diese als zu niedrig eingestufte Offerte waren die Minderheitsaktionäre Sturm gelaufen. Dank des gestiegenen Novartis-Aktienkurses und der Dollarschwäche hat sich der Wert der Offerte mit aktuell rund 163 Dollar je Alcon-Aktie aber den Nestle bezahlten 168 Dollar angenähert.

Die Börse reagierte mit Erleichterung auf die Einigung mit den Alcon-Minderheitsaktionären. Die Novartis-Aktien schnellten um 4,5 Prozent auf 56 Franken hoch und hielten dank ihrer hohen Gewichtung die Schweizer Börse im Alleingang im Plus. Der europäische Gesundheitssektor tendierte gut ein Prozent fester. Die Transaktion sei eine sehr elegante Lösung eines schwierigen Problems, urteilte Kepler-Analyst Tero Weckroth.

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