Allergan-Übernahme
Pfizer-Deal jagt Konkurrenz keinen großen Schrecken ein

Der Viagra-Hersteller Pfizer zahlt fast das Zehnfache des Jahresumsatzes für Allergan. Ob sich der finanzielle Kraftakt für Aktionäre lohnt, ist fraglich. Ein Kommentar.

Der 160-Milliarden-Dollar-Deal kommt: Pfizer unternimmt einen enormen Kraftakt, um die Spitzenposition in der Pharmabranche zurück zu erobern und gleichzeitig seine Steuerposition zu verbessern. Immerhin zahlt der Konzern defacto fast das Zehnfache des Umsatzes für die Übernahme von Allergan. Das irische Unternehmen dürfte auf Proforma-Basis, das heißt, wenn alle seine eigenen Zukäufe bereits voll eingerechnet werden, auf einen Jahresumsatz von 16 bis 17 Milliarden Dollar kommen und etwa drei bis vier Milliarden Dollar freien Cashflow erwirtschaften. Es ist damit weniger als ein Drittel so groß wie der Pfizer-Konzern in seiner neuen Struktur einschließlich Hospira.

Finanziell ist der hohe Preis zwar kein Problem für Pfizer, da fast die gesamte Transaktion als Aktiendeal konstruiert ist. Im Prinzip geben die Pfizer-Aktionäre aber rund 44 Prozent ihrer Anteile an die Eigner der viel kleineren Allergan Plc ab.

Der Deal wird sich für die Pfizer-Aktionäre – wenn überhaupt – nur dann lohnen, wenn wirklich sowohl die Steuersparpläne als auch die sehr ehrgeizigen Synergieziele und Wachstumsprognosen für das Übernahmeobjekt aufgehen. Die Erfahrungen, die der US-Konzern mit den Übernahmen der zurückliegenden Jahre machte, sprechen eher dagegen, dass das alles gleichzeitig gelingt.

Denn die Großübernahmen in der Vergangenheit haben Pfizer zwar enormen Spielraum zur Kostensenkung eröffnet, aber durchweg wenig getan, um neues organisches Wachstum zu initiieren. In vergleichbarer Struktur hat der US-Konzern in den letzten Jahren stetig an Boden und seit 2010 mehr als 15 Milliarden Dollar Umsatz verloren, bedingt vor allem durch Patentabläufe und wachsende Generikakonkurrenz.

Die Übernahme dürfte daher auch der Konkurrenz keinen großen Schrecken einjagen. Die Schlagkraft von Pfizer hatte sich in der Vergangenheit durch große M&A-Transaktion letztlich nie wirklich verstärkt. In der Forschung hat der Konzern seit den 90er Jahren praktisch auf keinem Feld mehr eine Führungsposition errungen. Er wurde in der Produktentwicklung vielmehr ein ums andere Mal von kleineren, fokussierteren Konkurrenten wie Roche, Bristol-Myers, Gilead oder Amgen überrundet.

Die riesigen organisatorischen Umbau-Arbeiten, die nun bevorstehen, dürften das Management nun abermals vom Kerngeschäft ablenken. Es steht daher zu erwarten, dass auch der neu formierte Pfizer-Konzern oder die Teile, die daraus möglicherweise hervorgehen, mittelfristig abhängig bleiben von weiteren Zukäufen.

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