Allergan-Übernahme
Pfizer kriegt kalte Füße

160 Milliarden wollte Pfizer hinblättern, um Allergan zu übernehmen – und den Firmensitz ins Ausland zu verlegen. Dagegen macht Obama Druck. Nun ist der Deal geplatzt.

New York/San FranciscoDamit hatten Pfizer-Chef Ian Read und Allergan-Chef Brent Saunders nicht gerechnet: Das amerikanische Finanzministerium macht ihrer geplanten Megafusion offenbar einen Strich durch die Rechnung. Finanzminister Jack Lew kündigte am Montagabend überraschend deutlich strengere Regeln für die sogenannten Steuer-Inversionen an, um die Steuerflucht aus den USA aufzuhalten.

Wegen dieser Verschärfung der US-Steuergesetze ist nun die 160 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Botox-Herstellers Allergan durch den US-Pharmariesen Pfizer gescheitert. Der geplante Zusammenschluss sei in gegenseitigem Einvernehmen abgebrochen worden, teilte Pfizer am am Mittwoch mit. Pfizer müsse Allergan dafür 150 Millionen Dollar zahlen. Das „Wall Street Journal“ hatte bereits in der Nacht zu Mittwoch berichtet, dass das Board von Pfizer die Absage beschlossen hätte.

Pfizer hätte bei dem geplanten Deal Allergan übernommen, wäre dann sozusagen bei Allergan in Irland untergetaucht und hätte seinen Firmensitz dorthin verlegt. Das wäre einer Flucht vor den vergleichsweise hohen Körperschaftsteuern in den USA gleichgekommen.

Das war wohl auch der Plan von Read und Saunders, als sie Ende des vergangenen Jahres ihren 160 Milliarden Dollar schweren Deal verkündeten. Bis zur Jahresmitte sollte die Fusion eigentlich vollzogen werden und Pfizer seinen Firmensitz nach Irland verlegen.

Doch am Tag zwei nach den Panama-Enthüllungen zu Briefkastenfirmen und lukrativen Steuerschlupflöchern fährt das US-Finanzministerium eine unerwartet harte Linie. Die neuen Regeln würden sogar rückwirkend inverse Fusionen beschränken, die in den vorangegangenen 36 Monaten durchgeführt wurden. Damit steigt das Risiko erheblich, vor allem bei dem derzeitigen politischen Wahlkampf-Klima, in dem US-Unternehmen scharf angegriffen werden, die sich ihren Steuerzahlungen durch Flucht ins Ausland entziehen.

Allergan war zudem in dem betreffenden Zeitraum in verschiedene Zusammenschlüsse involviert und hatte seinen Firmensitz via inverser Übernahme mit Actavis bereits nach Irland verlagert. Wären diese Deals nun nicht mehr gültig, hätte das den geplanten Zusammenschluss mit Pfizer auf eine völlig neue Grundlage gestellt. Allergan wäre schlicht noch eine US-Firma.

Lews neue Initiative macht es ausländischen Unternehmen deutlich schwerer, Inversionen im großen Stil durchzuführen und vorher durch eine Reihe von kleinen Übernahmen in den USA auf eine angemessene Größe anzuwachsen.

Allergan wurde erst durch die Milliardenzukäufe in den vergangenen Jahren groß genug, um die Verlagerung eines gemeinsamen Firmensitzes mit Pfizer ins Ausland überhaupt möglich zu machen. Denn eine Inversion ist nur möglich, wenn die amerikanischen Aktionäre weniger als 60 Prozent an dem fusionierten Unternehmen halten. Werden die Zukäufe von Allergan dank der neuen Steuerregeln nicht eingerechnet, würde Pfizer deutlich über dieser Schwelle liegen. Zudem wird es für die ausländische Konzernmutter schwerer, steuersparend Kredite an US-Töchter zu vergeben.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda
Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
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