Pischetsrieder verfährt damit offenbar nach dem Motto: „Von Porsche lernen, heißt Siegen lernen.“ „15 Prozent ist Porsche-Handschrift. So ähnlich haben sie das bei VW auch gemacht“, sagt ein Analyst. Erst vor einem Jahr war der Stuttgarter Sportwagenbauer bei VW eingestiegen und will seinen Anteil, sobald die Genehmigung der Kartellbehörden vorliegt, auf 25,1 Prozent aufstocken. Nach deutschem Aktienrecht müssten die Unternehmen ab 30 Prozent eine Übernahmeofferte an alle übrigen Anleger unterbreiten – ein kostspieliges Unterfangen, das sowohl Pischetsrieder als auch Porsche-Chef Wendelin Wiedeking möglichst vermeiden möchten.
Auch die Begründung für den MAN-Einstieg von Pischetsrieder erinnert an Wiedekings spätere Rechtfertigung des Deals. „Angesichts von Hinweisen im Markt auf einen unfreundlichen Übernahmeversuch durch Dritte ist diese Beteiligung an MAN zur Sicherung der Interessen von Volkswagen erforderlich“, heißt es in der Mitteilung des Konzerns. Auch Porsche hatte damals seinen Einstieg mit einem möglichen Zugriff Dritter auf VW erklärt.
Noch in einem weiteren Punkt dürfte Pischetsrieder sich an Wiedeking orientieren: Der VW-Chef wird als neuer MAN-Großaktionär ebenfalls auf einen Platz im Aufsichtsrat drängen und sich in die Geschäftspolitik der Münchener einmischen. Auf MAN-Chef Samuelsson dürfte damit der Druck wachsen, die bereits eingeleitete Konzentration des Konzerns auf den Kernbereich zu beschleunigen. Pischetsrieder strebt einen schlanken Nutzfahrzeugriesen unter Einbringung des VW-LKW-Geschäfts in Brasilien an, glaubt ein Experte. An MAN-Beteiligungen wie Ferrostaal sei sein Interesse dagegen wohl gering. „Das Vorgehen von Volkswagen ist in keinerlei Hinsicht als unfreundlich beabsichtigt“, heißt es indes ausdrücklich bei VW.
Pischetsrieder genießt den Triumph still. Während seine Juristen am Dienstag letzte Hand an den Deal legen, begeht er noch in Begleitung von Niedersachsens Ministerpräsidenten Christian Wulff den Tag der Deutschen in Moskau. Erst gestern ist er wieder zurück in Wolfsburg und feiert den Coup wie es seine Art ist: ruhig, bei einer Havanna.
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