Alles muss raus
General Motors steigt bei Suzuki aus

Der angeschlagene Automobilhersteller sucht händeringend nach frischem Kapital und verscherbelt nun seine Anteile am japanischen Suzuki-Konzern. Für gerade einmal 230 Mio. Dollar greifen die Japaner dankend zu.

HB TOKIO. Der US-Konzern General Motors (GM) verkauft für 230 Mio. Dollar seinen Anteil an dem japanischen Autohersteller Suzuki. Die Amerikaner beenden damit aus schierer Geldnot eine Partnerschaft, von der beide Seiten seit 1981 profitiert haben. „Ich habe volles Verständnis dafür, dass GM den Anteil verkaufen muss, um Mittel fürs operative Geschäft in die Hände zu bekommen“, sagt Suzuki-Chairman Osamu Suzuki. Er habe mit GM-Chef Rich Wagoner geklärt, dass die beiden Unternehmen alle bereits laufenden gemeinemsamen Projekte weiterführen. Danach dürfte die Zusammenarbeit jedoch enden.

GM hält drei Prozent an Suzuki. Das US-Unternehmen wird die Aktien im Tokioter außerbörslichen Handel anbieten und Suzuki will sie am Dienstagmorgen noch vor Handelsbeginn selbst zukaufen. Wegen der außergewöhnlichen Schwäche am japanischen Aktienmarkt dürfte das ein gutes Investment sein – zugleich bedeutet das Geschäft einen ungünstigen Verkauf für GM. Suzuki kann den Aktienkauf aus seinen flüssigen Reserven finanzieren.

Bis 2006 besaß GM einen Anteil von 20 Prozent an Suzuki. Aus dieser Zeit stammt die Tradition einer engen Kooperation in Entwicklung und Vertrieb. Zuletzt hatten die beiden Unternehmen gemeinsam an einem Brennstoffzellenauto gearbeitet. 2006 hatten die Amerikaner jedoch 17 Prozent ihres anteils abgestoßen. Wegen einer Hausse an der Tokioter Börse war das ein außergewöhnlich gutes Geschäft: Der Anteil an dem mittelgroßen japanichen Auto- und Motorradhersteller brachte fast zwei Mrd. Dollar. Damals stand die Suzuki-Aktie bei 2490 Yen. Gestern schloss sie in Tokio bei nur 1400 Yen.

Suzuki besitzt derzeit eine strategisch extrem gesuchte Fähigkeit. Das Unternehmen ist exzellent darin, den Indern Autos zu verkaufen. Mit dem schwierigen Markt in dem Schwellenland ist Suzuki durch ein weit zurückreichendes Engagement bestens vertraut. Maruti Suzuki dominiert den indischen Markt für Pkw mit einem Anteil von rund 50 Prozent. Der Umsatz der Indien-Tochter stieg im Quartal von Juli bis September um sechs Prozent. Suzuki erwirtschaftet 40 Prozent seiner Erträge in Indien.

GM befindet sich mit einem Quartalsverlust von 4,2 Mrd. Dollar in einer extrem angespannten Lage. Auch die Arbeitsplätze bei der deutschen Tochter Opel sind gefährdet. Die Unternehmen suchten beim Staat um Hilfe nach. Bevor Subventionen diskutabel sind, muss GM jedoch aus eigener Kraft alles Machbare tun, um seine finanzielle Lage zu verbessern. Anders als der japanische Autokonzern Toyota hatte GM sich mit mittelmäßiger Qualität selbst geschadet und den Trend zu umweltfreundlichen Autos verpasst.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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