Allianz mit General Motors
Renault floppte doppelt in den USA

Sollten die Gespräche zwischen GM sowie Renault und Nissan erfolgreich verlaufen, dann wäre das so etwas wie Ironie des Schicksals. Denn mit Renault würde ausgerechnet derjenige französische Autobauer dem angeschlagenen US-Konzern wieder auf die Beine helfen, der mit seinen bisherigen Verstößen auf den US-Markt kläglich gescheitert ist.

STUTTGART. Renault hat ein solch schlechtes Image bei amerikanischen Kunden, dass es kaum noch zu unterbieten ist. In den 70er Jahren fielen die Franzosen mit ihren eigenen Modellen auf die Nase. Aus dieser Zeit stammt ein geflügeltes Wort unter amerikanischen Autofahrern: „French car“ werden noch heute Autos verächtlich genannt, die nicht anspringen, liegen bleiben oder wegen Qualitätsmängeln mehr in der Werkstatt stehen als dass sie fahren.

Anfang der 80er Jahre zogen sich die Franzosen entnervt vom US-Markt zurück. Bei Renault herrschte von da an die Ansicht, nur mit einer US-Marke und einer Produktion vor Ort auf dem weltweit größten Automobilmarkt Fuß fassen zu können. Bereits 1978 kaufte sich Renault in die notleidende American Motors Corp (AMC) ein. Renault investierte umgerechnet fast 1 Mrd. Euro. Der Hersteller von Gelände- und Freizeitfahrzeugen erwies sich aber als totaler Fehlschlag und Milliardengrab.

Auf völlig veralteten Produktionsanlagen produzierte AMC teurer als alle Konkurrenten. Unter dem Strich standen Verluste von 750 Mill. Dollar. Das Händlernetz, das Renault mit gekauft hatte, war zwar weit verzweigt, bestand aber zum Großteil aus Kleinunternehmen, die weniger als 50 Autos im Jahr verkauften.

Erst 1987 wurden die Franzosen das Sorgenkind wieder los und reichten es an Chrysler weiter. Ex-Renault-Chef Louis Schweitzer hat den Rückzug aus den USA zwar immer bedauert, doch wegen Problemen in Europa konnten die Franzosen damals nicht länger beim US-Abenteuer zubuttern.

Auch wenn Renault längst bessere Autos baut, die alten Vorbehalte der US-Kunden gegenüber dem französischen Konzern sind nicht zu unterschätzen. Zwar fiele eine Wiedereinführung der Marke Renault vielleicht mit einem Partner GM leichter, ein schwieriges Unterfangen dürfte sie aber trotzdem sein. Nicht umsonst hat sich der heutige Renault-Chef Carlos Goshn zu diesem Thema bislang in vornehmer Zurückhaltung geübt.

„Einen dritten Flop dürfen wir uns nicht leisten“, hatte sein Vorgänger Schweitzer noch vor zwei Jahren zu einem möglichen Wiedereintritt auf dem US-Markt ab dem Jahr 2010 gesagt. Alle neuen Modelle der Franzosen erfüllen bereits die strengen Anforderungen der USA. Als Schweitzer in diesem Zusammenhang gefragt wurde, ob sich die Amerikaner wohl noch an Renault erinnern, antwortete er: „Ich hoffe nicht.“

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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