Allianz mit Navistar

VW startet Truck-Offensive in den USA

Bisher fahren VW die Konkurrenten wie Daimler auf dem US-Markt davon. Nun starten die Wolfsburger mit einer Kooperation die Aufholjagd. VW investiert dazu eine dreistellige Millionensumme in den US-Hersteller Navistar.
Update: 06.09.2016 - 16:04 Uhr
Volkswagen investiert 256 Millionen Dollar in das US-Unternehmen. Quelle: Navistar
Navistar-Lkw

Volkswagen investiert 256 Millionen Dollar in das US-Unternehmen.

(Foto: Navistar)

HamburgVolkswagen gelingt durch eine Partnerschaft mit dem amerikanischen Lkw-Bauer Navistar der Sprung auf den wichtigen US-Markt. Beide Unternehmen kündigten am Dienstag eine weitreichende strategische Allianz an und bestätigten damit Informationen der Nachrichtenagentur Reuters. Um die Partnerschaft zu untermauern, übernimmt die VW-Tochter Truck & Bus für 256 Millionen Dollar 16,6 Prozent an Navistar. Im Gegenzug können die Wolfsburger zwei Vertreter in den Verwaltungsrat von Navistar zu entsenden.

Andreas Renschler, Truck & Bus-Chef bei VW, sagte am Dienstag in einer Telefonkonferenz: „Auf unserem Weg, ein globaler Champion zu werden, sind alle Optionen offen.“ Eine ähnliche Antwort gab er auf die Frage, ob sein Konzern auch mehr als 16,6 Prozent an dem US-Hersteller übernehmen könnte.

Anders als Daimler und Volvo ist Volkswagen mit seinen beiden Lkw-Marken MAN und Scania auf dem wichtigen US-Markt für Schwerlaster bisher nicht aktiv. „Jetzt gehen wir den nächsten Schritt auf unserem Weg zum Global Champion der Nutzfahrzeugindustrie“, sagte Andreas Renschler. Die Allianz mit Navistar sei dabei ein wichtiger Meilenstein. Die Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres startenden Kooperation werde Navistar in die Lage versetzen, globale Größen- und Verbundvorteile in der Beschaffung zu erzielen, erklärte Navistar-Chef Troy Clarke.

Teil der vereinbarten Kooperation ist die gemeinsame Entwicklung einer Motorenplattform sowie ein gemeinsamer Einkauf. „Durch die Zusammenarbeit, vor allem beim Antriebsstrang, vergrößert sich unser Synergiepotenzial in der Gruppe noch einmal erheblich“, sagte Matthias Gründler, Finanzvorstand von VW Truck & Bus. Navistar werde von den Antriebstechnologien von VW profitieren, und Volkswagen im Gegenzug von größeren Stückzahlen.

Anders als bei Pkw ist VW bei schweren Lastwagen und Bussen nicht vom Abgasskandal betroffen. Volkswagen hatte zugegeben, Diesel-Abgaswerte mit einer Software manipuliert zu haben. Dem Konzern drohen deshalb milliardenschwere Strafen und Schadensersatzforderungen.

Die profitabelsten Autobauer im ersten Halbjahr
Platz 6: Volkswagen
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Absolute Umsatz- und Absatzzahlen sind eine Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit eines Autobauers zu bewerten. Da steht der Volkswagen-Konzern bestens da, etwa mit einem geschätzten Absatz von 5,04 Millionen Fahrzeugen im ersten Halbjahr. Auf diese Zahl kommt zumindest das Center of Automotive Management (CAM) der Hochschule Bergisch-Gladbach. Die andere Möglichkeit ist die finanzielle Performance, sprich welcher operative Gewinn aus dem Umsatz erzielt wird. Und da schneiden die Wolfsburger mit einer EBIT-Marge von 4,8 Prozent nur unterdurchschnittlich ab. War der Konzern im ersten Halbjahr 2015 mit einer Rendite von 6,3 Prozent bereits einer der Low Performer unter den größten Autobauern der Welt, wurde der Abstand wegen der Rückstellungen im Abgasskandal nochmals größer.

Platz 5: Hyundai
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Nach Jahren des extremen Wachstums setzt bei Hyundai-Kia eine Phase der Konsolidierung ein. Mit 3,85 Millionen Fahrzeugen zwischen Januar und Juni bleiben die Koreaner rund zwei Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahreszeitraums. Auch bei der operativen Rendite ging es um 0,2 Prozentpunkte auf geschätzte 6,5 Prozent nach unten. Wie man den leichten Abwärtstrend stoppen will, dürfte dem ein oder anderen Manager in Korea noch Kopfschmerzen bereiten.

Platz 4: Daimler
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Im vergangenen Jahr war Daimler mit einer EBIT-Marge von 9,2 Prozent einer der profitabelsten Autobauer. Auch dieses Jahr läuft es für die Stuttgarter gut, alleine im zweiten Quartal verdiente Daimler rund vier Milliarden Euro. Auf der anderen Seite belasten hohe Kosten für die Markteinführung der neuen E-Klasse (im Bild), die Milliarden-Strafe wegen des Lkw-Kartells und das anhaltend schwache Nutzfahrzeug-Geschäft in Südamerika den Konzern. Im ersten Halbjahr sank die operative Rendite deshalb auf 7,3 Prozent. Für das zweite Halbjahr ist Besserung in Sicht: Einmaleffekte wie die Lkw-Strafe sind dann verbucht und der Umsatzbringer E-Klasse ist auf dem Markt. Und nicht zuletzt gehen die CAM-Experten davon aus, dass Daimler (mit Mercedes-Benz Cars und der Van-Sparte) mit 1,22 Millionen Fahrzeugen Dauer-Konkurrent BMW beim Absatz überholt hat.

Platz 3: General Motors
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Mit zuletzt 4,77 Millionen Fahrzeugen in sechs Monaten hat General Motors leicht den Anschluss an Toyota und VW verloren, die in der CAM-Statistik bei rund fünf Millionen Fahrzeugen liegen. Dennoch müssen die Manager in Detroit nicht die Köpfe hängen lassen, denn die Opel-Mutter verdient jetzt besser: Lag man bei der EBIT-Marge im ersten Halbjahr 2015 noch mit 6,7 Prozent auf dem Niveau von Hyundai und VW, bleiben jetzt 8,3 Prozent des Umsatzes als operativer Gewinn im Unternehmen hängen.

Platz 2: Toyota
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Beim Absatz liegen laut den vom CAM geschätzten Werten gerade einmal 50.000 Autos zwischen VW und Toyota – 5,04 Millionen in Wolfsburg zu 4,99 Millionen in Toyota City. Bei der EBIT-Marge liegen jedoch Welten zwischen den beiden Branchengrößen: Wo VW nicht nur wegen des Abgasskandals deutlich einstellige Ergebnisse erzielt, kommt Toyota nach 9,9 Prozent im Vorjahreszeitraum jetzt auf 10,0 Prozent. Kernstück des Erfolgs ist die schlanke Produktion der Japaner: Um fünf Millionen Autos zu bauen benötigt Volkswagen rund 600.000 Mitarbeiter – Toyota nur 340.000.

Platz 1: BMW
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Noch profitabler als Toyota ist nur BMW. Das Konzern-EBIT liegt nach den Berechnungen des CAM bei 11,5 Prozent des Umsatzes. Das wären nochmals 0,2 Prozentpunkte mehr als im ersten Halbjahr 2015. "Insgesamt ist das 1. Halbjahr 2016 für die globalen Automobilhersteller aufgrund der wachsenden Kernmärkte China, USA und Europa bislang zwar gut verlaufen", sagt Studienleiter Stefan Bratzel. "In der zweiten Jahreshälfte mehren sich jedoch die Anzeichen für ein sich abschwächendes Wachstums."

  • rtr
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