Allianz vorgeschlagen
Ford macht Annäherungsversuch bei Renault

Der angeschlagene US-Autobauer Ford bringt sich für ein mögliches Scheitern der Bündnisgespräche zwischen dem Erzrivalen General Motors (GM) und Renault-Nissan in Stellung. Dem französisch-japanischen Autoverbund kann das Werben von Ford nur gelegen kommen, hat er doch nun eine Trumpfkarte in den Verhandlungen mit GM.

hz FRANKFURT. Nach Informationen des „Wall Street Journal“ schlug Ford-Chef Bill Ford kürzlich Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn in einem Telefonat vor, eine Allianz mit Ford zu prüfen, wenn sich Renault und Nissan gegen eine engere Kooperation mit GM entscheiden sollten. Sprecher der Firmen lehnten gestern eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Die Ford-Aktie legte dennoch zeitweise mehr als 4 Prozent zu.

Ford könnte nach Einschätzung von Analysten mit dem Gegenangebot die laufenden Gespräche zwischen GM und Renault-Nissan erschweren. Das Liebeswerben von Ford stärke die Verhandlungsposition von Ghosn und dränge GM, dessen Management einer Allianz bereits skeptisch gegenüber stehe, weiter in die Ecke, erläuterten die Experten. Derzeit prüfen Arbeitsgruppen von GM, Renault und Nissan Vorteile einer möglichen Zusammenarbeit. Die Ergebnisse dieser Überlegungen sollen bis Mitte Oktober an Ghosn und GM-Chef Rick Wagoner berichtet werden. GMs größter Einzelaktionär, der Milliardär Kirk Kerkorian, hatte ein solches Dreier-Bündnis im Juni vorgeschlagen. Der Verbund würde mit einem Weltmarktanteil von 25 Prozent den größten Autoproduzenten der Welt schaffen.

Als Reaktion darauf hatte Vorstandschef Ford bereits seinerseits ein Bündnis mit anderen Autoherstellern nicht ausgeschlossen. Es gebe aber keine konkreten Gespräche. GM und Ford leiden vor allem in Nordamerika unter massiven Überkapazitäten und einer einbrechenden Nachfrage, was beide Konzerne zu tiefen Einschnitten zwingt.

Ford wäre der bessere Partner

Analysten hatten bereits zu Beginn der Bündnisgespräche zwischen GM und Renault-Nissan darauf hingewiesen, dass der französisch-japanische Autoverbund eigentlich besser zu Ford passe, da es weniger Produkt-Überschneidungen gebe. „Ich bin sicher, dass Ghosn in Richtung Ford oder auf andere Autobauer schielen wird, wenn er mit GM nicht vorankommt“, zitierte gestern die Nachrichtenagentur Reuters einen Investmentbanker.

Vor Beginn der laufenden Allianzgespräche mit GM hatte es Kontakte zwischen dem Renault-Nissan-Chef und dem Ford-Konzernchef gegeben, wie Ghosn bereits vor Wochen einräumte. Es habe jedoch nach seiner Darstellung keine Gespräche über eine Allianz mit Ford gegeben.

Laut „Wall Street Journal“ habe Ghosn auf den Telefonanruf von Bill Ford zurückhaltend reagiert. Der Renault-Nissan-Boss habe erklärt, dass er erst das Ende der Verhandlungen mit GM abwarten werde, bevor er Gespräche mit Ford erwägen könne. Beide Konzernchefs hätten sich allerdings die Tür für einen gemeinsamen Anlauf offen gehalten.

Ford könnte fremde Hilfe gut gebrauchen. Die Krise in Nordamerika hat sich weiter verschärft. Sinkende Absatzzahlen und hohe Verluste zwingen den Autobauer zu den stärksten Produktionskürzungen seit mehr als 20 Jahren und einer Verschärfung des Sparprogramms. Die US-Bank JP Morgan geht für 2006 in Nordamerika für Ford nunmehr von einen Vorsteuerverlust von vier Mrd. Dollar und für 2007 von roten Zahlen von bis zu 2,7 Mrd. Dollar aus.

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