Alstom-Deal
Industriepolitik wie beim Sonnenkönig

Es begann mit Sonnenkönig Ludwig XIV, und es wird mit Hollande nicht sein Ende haben: Dass der Staat Bieterkämpfe wie den um Alstom steuert, hat in Frankreich Tradition. Das geschieht manchmal auf Kosten der Unternehmen.
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BrüsselMuss ein Topmanager den Regierungschef um Erlaubnis fragen, bevor er ein Unternehmen kauft? Was in Deutschland niemandem auch nur im Traum einfallen würde, ist in Frankreich vollkommen selbstverständlich.

Der bevorstehende Verkauf des Konzerns Alstom beschäftigt in Paris nicht nur Management, Mitarbeiter und Aktionäre, sondern vor allem die Politik. Staatspräsident François Hollande höchstpersönlich lud Siemens-Chef Joe Kaeser heute Abend in den Elysée-Palast. Der Deutsche soll dem französischen Staatschef erläutern, wie er sich die Fusion von Alstom mit Siemens vorstellt.

Kaeser tut gut daran, Hollande von seinem Vorhaben zu überzeugen. Gegen den Willen der Staatsführung lassen sich in Frankreich traditionell  nur schwer Geschäfte machen – selbst dann, wenn sie zwischen Privatunternehmen getätigt werden.

Die staatliche Einmischung in die Wirtschaft hat im zentralistischen Frankreich eine jahrhundertelange Tradition, die mit Sonnenkönig Ludwig XIV. und seinem Finanzminister Jean-Baptiste Colbert begann. Der nach ihm benannte Colbertismus, eine Theorie von der zentralistischen Lenkung der Wirtschaft, ist in den Köpfen der politischen Eliten bis heute lebendig. Alle französischen Präsidenten seit Charles de Gaulle pflegten die Wirtschaftsführer des Landes einzubestellen, um die ökonomische Linie für die Zukunft vorzugeben. 

Auch François Hollande tat das. Er ließ die Chefs der größten Unternehmen zuletzt Anfang September vergangenen Jahres im Elysée-Palast antreten. Einziges Thema der Veranstaltung: Die Größe der französischen Industrie. Den Topmanagern wurde ein Film mit den Wunderwerken französischer Ingenieurskunst vom TGV bis zur Concorde vorgeführt, begleitet von pathetischen Vivaldi-Violonkonzertklängen.

Marken wie Peugeot, Renault, Airbus oder Areva sind untrennbar mit dem Nationalstolz der Franzosen verbunden und den lässt sich das Land einiges kosten. Der Staat päppelt marode Industrie-Ikonen lieber selber teuer wieder auf, bevor er sie ausländischen Käufern überlässt. Das bekam auch Siemens schon einmal zu spüren. Der größte deutsche Industriekonzern hatte bereits vor einem Jahrzehnt erstmals versucht, bei Alstom einzusteigen, scheiterte damals jedoch am Widerstand des damaligen Finanzministers und späteren Präsidenten Nicolas Sarkozy. Der Protektionismus trieb damals viele Blüten. Die französische Regierung stoppte auch den Verkauf von Danone an Pepsico und die Fusion von des Energiekonzerns Suez mit der italienischen Enel.

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Chirac scheiterte beim Arcelor-Verkauf

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  • Es ist vollkommen richtig, dass der Staat versucht einzugreifen, wenn sich ein anderer Staat mit seinen gedruckten Dollars Industrieperlen und Technologie kaufen möchte, die für einen unabhängigen Staat unverzichtbar sind. Dem US Imperialismus braucht Europa nicht tatenlos zuzuschauen. So hätte es Finnland auch bei Nokia machen sollen.

  • Verzeihung, aber eine angebliche Uebernahme Danones durch Pepsi-Cola seinerzeit,ist eine Finte von Franck Riboud gewesen, auf die die damalige Regierung von Dominique de Villepin voll reingefallen ist, und er dann den beruehmten "patritotisme patriotique" ausgerufen hat. Pepsi hat nie die Absicht gehabt Danone zu kaufeb!

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