Alstom-Übernahmeangebot
Siemens-Offerte dürfte mehr Zeit beanspruchen

Nach zehn Tagen stand fest: Siemens unterbreitet Alstom ein Übernahmeangebot für die Energiesparte. Doch das Angebot wird mehr Zeit in Anspruch nehmen, als vorerst vermutet wurde.
  • 0

München Siemens wird sein Gebot für die Alstom-Energietechnik wohl später vorlegen als erwartet. Nachdem Vorstandschef Joe Kaeser mehr Informationen von den Franzosen angefordert hat, werde es in der laufenden Woche voraussichtlich nichts mehr mit der Offerte, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen. Die Münchner müssten zunächst die Antwort von Alstom -Chef Patrick Kron abwarten. Sollte er weitere Akten öffnen, müssten die wiederum geprüft und bewertet werden. Es sei daher unwahrscheinlich geworden, dass Siemens wie zunächst angepeilt am Freitag seine Pläne präsentiere. Erst Mitte nächster Woche sei mit einer Entscheidung zu rechnen. Das Unternehmen lehnte eine Stellungnahme ab.

Für ein Gegenangebot zu dem Vorstoß des US-Rivalen GE hatte sich Siemens zunächst vier Wochen Zeit bis Ende Mai erbeten. Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg machte am Dienstagabend öffentlich, dass Siemens Alstom aufgefordert hat, einen tieferen Blick in die Bücher zu gewähren. Die Datenqualität sei noch nicht ausreichend, hieß es aus dem Umfeld der Münchner. In Frankreich fiel die Reaktion irritiert aus. Siemens habe die gleichen Daten bekommen wie die rivalisierenden Amerikaner. Alstom-Chef Kron werde Siemens höflich antworten, das Begehren aber abschmettern, hieß es in Verhandlungskreisen. Die Schritte gehörten zum üblichen Geschacher bei Großübernahmen.

GE bietet bisher 12,35 Milliarden Euro für das Hauptgeschäft der Franzosen. Die Offerte stößt aber auf Widerstand der Regierung in Paris. Alstom will die Offerte bis zum 2. Juni prüfen. Frankreich hatte Siemens um Hilfe gerufen, weil es das Werben der Amerikaner um Alstom skeptisch sieht und Arbeitsplatzverluste in Frankreich befürchtet. Unter diesem Druck hat Alstom seine Bücher auch für Siemens geöffnet. Der Elektronikkonzern hat bislang noch kein Gebot vorgelegt.

Im Gespräch ist, dass die Münchner im Tausch für das Energiegeschäft von Alstom ihre Zugsparte abgeben. Frankreich hatte sich in dem Übernahmepoker in der vergangenen Woche das letzte Wort gesichert. Die Regierung veröffentlichte am Donnerstag ein Dekret, das ihr das Recht gibt, einen Kauf heimischer Firmen in strategisch wichtigen Branchen wie Energie, Wasser, Telekommunikation und Gesundheit durch Ausländer zu blockieren. Experten zufolge dürfte der Erlass Siemens in die Karten spielen, da die Regierung Präferenzen für die Münchner durchblicken ließ. Allerdings meldete EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier Bedenken an und will prüfen, ob das Dekret gegen EU-Recht verstößt.

Siemens-Chef Kaeser hatte zuletzt betont, dass es ihm mit einer Offerte ernst sei. Aus dem Konzernumfeld hieß es jüngst, er sei an einem Geschäft sehr interessiert. Die Siemens-Pläne sehen eine Tausch- und eine Kaufpreiskomponente vor: Die Deutschen bekommen die Energietechnik, die Franzosen im Gegenzug die Zugsparte von Siemens. Die Wertdifferenz wird ausgeglichen. Diese Konstellation mache einen Vergleich mit dem GE-Angebot schwierig, hieß es. Zudem habe Siemens kartellrechtlich Bauchschmerzen, da über den geplanten Weg faktisch ein Monopolist für Hochgeschwindigkeitszüge in Europa entstehe. Dieses Risiko bestehe bei einem Kauf durch GE nicht.

Experten zweifeln ohnehin, ob Siemens-Chef Kaeser sich mit letzter Entschlossenheit auf einen milliardenschweren Poker mit dem US-Rivalen um das verhältnismäßig renditeschwache Geschäft der Franzosen einlässt. Die IG Metall hat ihm bereits signalisiert, dass sie einen Kauf um jeden Preis nicht mittragen wolle.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Alstom-Übernahmeangebot: Siemens-Offerte dürfte mehr Zeit beanspruchen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%