Alteigentümer-Familie Claussen steht nicht mehr einmütig zusammen
Hamburg will Anteile von Beiersdorf-Gründer parken

Im Poker um die Übernahme des Hamburger Kosmetikkonzerns Beiersdorf AG will der Hamburger Senat jetzt noch stärker in die Bresche springen. Wie es aus Senatskreisen heißt, sucht Hamburg nach Lösungen, einen Teil des 10 %igen Aktienpakets der Gründerfamilie Claussen an Beiersdorf zu parken. Dabei soll es sich um einen Anteil von 5 % handeln.

HAMBURG. Hintergrund ist, dass die weit verzweigte Familie Claussen anders als noch vor wenigen Tagen nicht mehr einmütig ihren Anteil im so genannten Hamburger Konsortium zusammen mit der Tchibo Holding AG poolen will. Tchibo verfügt bereits über 30,1 % an Beiersdorf . Der Hamburger Kaffeefilialist verhandelt derzeit intensiv mit dem Münchener Versicherungsriesen Allianz über deren 43,6 %ige Beteiligung an Beiersdorf. Die Kooperation mit dem Claussen Paket sollte helfen, eine drohende Übernahme von Beiersdorf durch den US-Konsumgüterhersteller Procter & Gamble zu erschweren.

Jetzt soll ein Teil der Claussen-Familie ein Paket um Umfang von 5 % der Tchibo Holding zum Kauf angeboten haben. Damit müsste Tchibo nicht nur die 43,6 % der Allianz, sondern insgesamt 48,6 % an Beiersdorf finanzieren. Die Marktkapitalisierung von Beiersdorf liegt derzeit bei rund 10 Mrd. Euro.

Um dem Tchibo-Konsortium aus dieser Klemme zu helfen, bemüht sich der Hamburger Finanzsenator Wolfgang Peiner (CDU) um eine Lösung mit Unterstützung der Stadt.

Der Krach im Hamburger Konsortium geht aber noch viel tiefer, heißt es in Finanzkreisen. So soll die Familie Claussen für ihre weitere Mitarbeit im Konsortium eine „Bleibeprämie“ gefordert haben. „Es macht sich eine gewisse Unhygiene breit“ so ein Insider. Tatsächlich bedeutete die Erfüllung dieser Forderung eine Ungleichbehandlung der anderen Aktionäre.

Dieser Streit könnte dazu führen, dass die Chancen von Procter Gamble, für eine Übernahme von Beiersdorf steigen. Finanz- und politische Kreise erwarten ein Angebot der Amerikaner für Beiersdorf in den nächsten Tagen.

Bereits in den vergangenen Tagen soll Tchibo in den Verhandlungen mit der Allianz Preiszugeständnisse gemacht haben. Genannt wird in Finanzkreisen ein Preis von 125 Euro je Aktie. Der Kurs der Beiersdorf AG sank gestern um 0,45 % auf knapp 114 Euro. Im Falle einer Übernahme durch Tchibo rechnen Analysten mit einem Kurseinbruch um 15 %. Sprecher von Tchibo, Beiersdorf sowie der Allianz gaben hierzu keinen Kommentar ab. Die Familie Claussen war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%