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09.05.2007 
Bieterkampf um Branchenführer

Alu-Branche im Fusionsfieber

Die feindliche Übernahmeofferte des US-Aluminiumkonzerns Alcoa an seinen kanadischen Erzrivalen Alcan hat in Politik und Wirtschaft großen Wirbel verursacht. Während die Finanzmärkte auf ein neues Bietergefecht im Rohstoffsektor wetten regt sich Unmut am Alcan-Hauptsitz. Und auch die Großkunden der Aluminiumhersteller scheinen nicht ganz glücklich.

ebe NEW YORK. Milliardenfusionen von Metallunternehmen böten Anlass zur Sorge, weil dadurch die Entwicklung und der Preis des Rohstoffes beeinflusst werden könnten, teilte der europäische Flugzeughersteller Airbus mit. Man werde die weitere Entwicklung bei Alcoa deshalb „sehr genau beobachten“. Zwar werden in den Jets der neuen Generation wie dem Riesen-Airbus A380 oder dem „Dreamliner“ 787 des Rivalen Boeing zunehmend leichtere Karbonteile eingesetzt, um Gewicht und damit Treibstoff einzusparen. Dennoch gehört Aluminium weiterhin zu den wichtigsten Rohstoffen in der Flugzeug-Produktion. Auch in anderen Branchen macht sich hinter den Kulissen Sorge vor weiteren Preisaufschlägen für Leichtmetalle breit.

Anders als etwa die Stahlindustrie ist die Alu-Branche bereits stark konzentriert. Die drei größten Anbieter kontrollieren mehr als 50 Prozent des Weltmarkts – mit den möglichen Fusionspartnern Alcoa und Alcan in den Hauptrollen. Die hohen Rohstoffpreise, verbunden mit den steigenden Gewinnen ihrer Produzenten, haben zu einer beispiellosen Übernahmewelle geführt, in deren Sog jetzt auch die Alu-Hersteller geraten.

Investoren wetten nach dem Alcoa-Angebot auf eine höhere Konkurrenzofferte für Alcan, was sich an der Kursentwicklung ablesen lässt: Alcan-Aktien hielten sich gestern mit rund 80 Dollar deutlich über der Kauf-Offerte von 73,25 Dollar. Alcoa muss Analysten zufolge jetzt entweder nachlegen oder fürchten, dass sein Wunschkandidat in die Hände eines anderen Angreifers gelangt. Alcoa könne dann vom Jäger zum Gejagten werden. Analyst Scott Burns von der Ratingagentur Morningstar sagt, er habe Alcoa als Übernahmekandidaten auf der Rechnung. Michael Gambardella von JP Morgan Chase schrieb in einer Studie, die Alcoa-Offensive bereite möglicherweise nur das Feld für Angebote an beide Alu-Produzenten. Als strategische Käufer werden immer wieder die Bergbaukonzerne Rio Tinto und BHP Billiton genannt. Im Februar hatten beide Firmen betont, weitere Akquisitionen zu prüfen. Nach Medienspekulationen über eine 40 Mrd. Dollar schwere Übernahmeofferte für den Alcoa-Konzern waren dessen Aktien deutlich gestiegen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Offenbar stehen potenzielle Käufer für Alcan Schlange.

Aus gleicher Wurzel entstanden: Alcan und Alcoa im Vergleich. Grafik: HandelsblattLupe

Aus gleicher Wurzel entstanden: Alcan und Alcoa im Vergleich. Grafik: Handelsblatt

Doch bisher präsentiert sich Alcoa in der Situation des Jägers. Konzernchef Alain Belda betonte, Größenvorteile spielten im Wettbewerb mit Anbietern aus Russland oder China die entscheidende Rolle: „Du musst größer sein als das Loch, in das Du fallen kannst“, sagte er vor Investoren. In Kanada hört man diese Töne nicht gerne, weil zuletzt bereits einige führende Unternehmen des Landes in ausländische Hände übergegangen sind. „Die Politik wird eine entscheidende Rolle spielen“, sagte Karl Moore, Management-Professor an der McGill-Universität Montreal, der „New York Times“.

Das Alcan-Management hatte Fusionsgespräche mit Alcoa im November 2006 abgebrochen. Alcan-Chef Richard Evans vertritt die Ansicht, sein Konzern bleibe auch ohne Großfusion wettbewerbsfähig. Er warnte zudem davor, dass jede feindliche Übernahme den Vertrag über vergünstigten Strombezug mit der Provinz Quebec gefährden würde. Für Aluminium-Produzenten ist der Strom ein wichtiger Kostenfaktor.

Doch US-Medien zufolge stehen potenzielle Käufer Schlange: Neben BHP Billiton und Rio Tinto werden auch die brasilianische Vale do Rio Doce, der Stahl-Riese Arcelor Mittal sowie Anglo American als mögliche Angreifer gehandelt. Anglo-Chefin Cynthia Carroll war erst vor wenigen Monaten von Alcan zu der Minengesellschaft gewechselt.

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