Aluminiumproduzent Rusal
Chefingenieur Frost

Die Aliminiumproduktion ist äußerst energieintensiv. Mit günstigem Strom aus sibirischen Wasserkraftwerken strebt der russische Aluminiumschmelzer Russal an die Spitze der Aluminiumbranche. Doch der Konzern will noch viel weiter hinaus: Rusal strebt einen Wandel zum Metall- und Energiekonzern an.

KRASNOJARSK. Aus über einhundert Meter Höhe stürzen die Fluten des Jenissej die Staumauer des Wasserkraftwerks Krasnojarsk hinab. In seinen Turbinen erzeugen sie pro Jahr sechs Millionen Kilowatt Strom. Hier, eine Stunde Autofahrt von der sibirischen Großstadt entfernt, steht der Motor für die zweitgrößte Aluminiumhütte der Welt: 15 000 Kilowattstunden sind nötig, um eine Tonne Aluminium zu erzeugen – ohne den billigen Strom aus dem Wasserkraftwerk könnte der russische Aluminiumhersteller Rusal die Produktion im kalten Sibirien überhaupt nicht aufrecht erhalten.

Im harten Kampf um Marktanteile hat das Management eine klare Marschrichtung ausgegeben: Rusal soll sich vom Aluschmelzer zum Metall- und Energiekonzern wandeln. Eigentümer Oleg Deripaska setzt jedoch nicht nur auf eigenes Wachstum. Mit der angekündigten Übernahme des kleineren russischen Konkurrenten Sual und der Aluminiumoxidsparte des Schweizer Rohstoffhändlers Glencore hat er bei der Produktion den Sprung an die Weltspitze geschafft – vorbei an den Konkurrenten aus dem Westen, an Alcan und Alcoa.

Damit nicht genug: „Wir wollen 2013 bei einer Jahresproduktion von fünf Millionen Tonnen Aluminium angekommen sein“, sagt Pawel Uljanow, der die strategische Entwicklung von Rusal verantwortet. Ein ehrgeiziges Ziel. Acht Mrd. Dollar Investitionen sind bisher dafür vorgesehen. Rusal plant gar, sich am Bau von Atomkraftwerken zu beteiligen – der Zugang zu günstiger Energie ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für die Aluminiumproduzenten, denn die Ausgaben für Strom machen in der Regel etwa gut ein Drittel der Kosten aus.

Bisher stellte Rusal etwa ein Zehntel der weltweiten Aluminiumproduktion. Die steigende globale Nachfrage hat die Alupreise drei Jahre lang stetig klettern lassen, im Frühjahr erreichten sie den höchsten Stand seit 17 Jahren. Rusal konnte seinen Umsatz allein im vergangenen Jahr um 15 Prozent auf 6,6 Mrd. Dollar steigern, die Investitionen verdreifachte der Konzern auf jährlich 1,4 Mrd. Dollar.

Auf seinem neuen Platz an der Weltspitze muss der russische Branchenprimus, der erst vor sechs Jahren aus einer Fusion hervorgegangen ist, mit einer Reihe von Altlasten fertig werden. Dazu zählt der Kampf gegen Emissionen. Die Aluminiumproduktion ist extrem giftig. In den meisten der 24 Produktionshallen in Krasnojarsk – jede so groß wie neun Fußballfelder – steht beißender Dampf. Ohne Schutzmaske ist atmen unmöglich.

Das soll sich ändern. Allein in Krasnojarsk fließen 320 Mill. Dollar in die Modernisierung der Anlagen. Wichtig sei, dass die Umweltbelastung geringer werde, sagt Anatoli Polowow, der für die Erneuerungen zuständig ist. 2007 dürften die Emissionen insgesamt um gut ein Drittel niedriger liegen. Zwischen der wachsenden Stadt und der Aluminiumhütte soll zudem die „sanitäre Zone“ Schutz bieten – ein Öko-Puffer, der nicht bebaut werden darf und den Rusal bepflanzt.

Seite 1:

Chefingenieur Frost

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%