Nach elf Jahren sinkender Umsätze hofft die deutsche Baubranche für das kommende Jahr auf eine Trendwende. Doch die kann schnell kippen.
HB BERLIN. Unter günstigen Bedingungen könnte das Baugewerbe 2006 wieder ein Umsatzplus von bis zu einem Prozent erreichen, erklärte der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) am Donnerstag in Berlin. „Die deutsche Bauwirtschaft hat gute Chancen, 2006, spätestens 2007 die konjunkturelle Talsohle zu verlassen“, sagte HDB-Präsident Hans-Peter Keitel. Sollten bestimmte Voraussetzungen wie mehr öffentliche Investitionen, Reformen des Standortes Deutschland und eine wirtschaftliche Erholung jedoch nicht erfüllt sein, erwartet die Branche 2006 ein nominales Umsatzminus von bis zu zwei Prozent.
Für dieses Jahr rechnet der HDB mit einem Umsatzminus von fünf bis sechs Prozent. Erst Mitte Juni hatte der Verband seine Umsatzprognose von minus 3,5 auf minus 4,5 Prozent gesenkt. Nach wie vor rechnet der HDB im Jahresdurchschnitt mit einem Verlust von 47 000 auf 720 000 Arbeitsplätze.
Für die Entwicklung in diesem Jahr machte der Verband die schwache Auftragslage verantwortlich. Die Baunachfrage habe sich zwar zwischen Mai und Juli stabilisiert, zu Jahresanfang seien die Aufträge aber deutlich eingebrochen. Die Stabilisierung gehe im Westen rascher voran als im Osten.
Der HDB forderte Union und SPD auf, sich schnell auf eine Unternehmenssteuerreform zu einigen und zugleich die Mindestbesteuerung wieder aufzuheben. Keitel sprach sich dafür aus, das zusammengelegte Bau- und Verkehrsministerium zu einem Ressort für öffentliche Infrastruktur auszubauen. Wie in der Vergangenheit plädierte Keitel, zugleich Chef von Deutschlands Branchenprimus Hochtief, für mehr gemeinsame Projekte mit der öffentlichen Hand (Public Private Partnership).
Jüngste Äußerungen von IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel, der gewerkschaftsfeindlichen Arbeitgebern einen harten Kampf angekündigt hatte, bezeichnete Keitel als inakzeptabel. Wiesehügel hatte Unternehmer, die die Gewerkschaften aus ihren Betrieben heraushalten und keine Betriebsratswahl zulassen, als Feinde bezeichnet und hinzugefügt: „Und Feinde muss man bekämpfen bis hin zur Vernichtung.“ Keitel sagte, Arbeitgeber und IG BAU zögen am gleichen Strang dort, wo es Schwarzarbeit am Bau oder eine Verletzung von Tarifverträgen gebe. Dies müsse gemeinsam im Rahmen geltenden Rechts geschehen. „Es gibt überhaupt keinen Grund, dieses durch illegale oder halblegale Verfahren und martialisches Kriegsgeschrei zu tun.“ Keitel fügte hinzu, er habe die Hoffnung, dass es bald wieder zu einem vernünftigen Dialog komme.

