Am Donnerstag Urteil im Mannesmann-Prozess
Freispruch mit kleinen Schönheitsfehlern erwartet

In Siegerpose hatte Josef Ackermann am 21. Januar dieses Jahres den Saal L111 im Düsseldorfer Landgericht betreten. Freigesprochen wird der Deutsche-Bank-Chef das Gericht morgen nach 37 Verhandlungstagen wohl verlassen.

DÜSSELDORF.Selbst die Staatsanwaltschaft scheint inzwischen einen Freispruch zu erwarten, wenn Richterin Brigitte Koppenhöfer morgen das Urteil im Mannesmann- Prozess verkündet. „Die Staatsanwaltschaft wird deshalb Revision einlegen“, hieß es bereits Anfang dieser Woche in Prozesskreisen. Die Ankläger haben für Ackermann zwei Jahre Haft auf Bewährung wegen schwerer Untreue gefordert. Somit dürfte der Fall vor dem Bundesgerichtshof landen.

Doch unabhängig davon, ob der Prozess in die Verlängerung in Karlsruhe geht, „der Vorwurf, dass Ackermann gegen das Aktiengesetz verstoßen habe, dürfte auch nach dem erwarteten Freispruch am Chef der Deutschen Bank kleben bleiben“, schätzt Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) – wenn Richterin Koppenhöfer ihrer Meinung treu geblieben ist. In ihrer Zwischenbilanz Ende März hatte sie erklärt, der Vorwurf der schweren Untreue habe sich zwar nicht erhärtet, allerdings habe es im Zusammenhang mit der Gewährung der Millionenabfindungen Verstöße gegen das Aktienrecht gegeben. „Bleibt sie dabei, ist das sicherlich ein Makel“, sagt Keitel. Dass das Verhalten Ackermanns aktienrechtlich bedenklich gewesen sei, zeige auch sein Schlusswort vor Gericht, in dem er sich auf seine Position als „externes“ Aufsichtsratsmitglied berufen habe. „Das ist nicht hinzunehmen“, sagt Keitel. Denn das Aktiengesetz unterscheide nun einmal nicht zwischen internen und externen Aufsichtsräten.

Marcus Lutter, Professor für Europäisches Wirtschaftsrecht an der Universität Bonn, ist zwar auch mit einem Freispruch einverstanden. Aus zivilrechtlicher Sicht wäre er aber froh, wenn der Vorwurf, dass Ackermann gegen das Aktiengesetz verstoßen habe, stehen bliebe. Denn Prämien dieser Art seien nie im Interesse eines Unternehmens und auch die Höhe der bewilligten Prämien sei vollkommen unangemessen.

Ein zivilrechtlicher Prozess wäre denn auch sinnvoller gewesen, meint Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Ackermann habe allerdings das große Glück, dass es keinen Kläger gebe, denn das Unternehmen Vodafone, das als Nachfolgegesellschaft der Mannesmann AG als einziger Anspruchsteller in Frage komme, habe die Prämien schließlich aus der eigenen Firmenkasse bezahlt, sagt Kurz. Vodafone hatte bereits argumentiert, dem Konzern sei kein Schaden entstanden. Deshalb werde keine Klage vorbereitet.

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