Amerikaner, Türken und Araber sind aktiver
Industrie verschläft irakischen Markt

„Von Siemens war leider noch niemand hier“, sagt Shakr Saier al-Bander, Generaldirektor der Naseem Al-Rafidain Fabrik, die zur State Electrical Industries Company gehört. Obwohl sie so gerne die Elektrik von Siemens in ihre Klimaanlagen einbauen würden und für das Werk auch gerne einen deutschen Partner hätten.

BAGDAD. Während Al-Bander das sagt, zeigt er zwei Vertretern der japanischen Hitachi- Gruppe die Produktionsstätte der Firma, der führenden bei der Herstellung von Groß- und Privat-Klimaanlagen in Bagdad.

Sie brauchen Investoren, um den Betrieb zu modernisieren. Vor den Herren von Hitachi hatte Al-Bander bereits Besuch von zwei koreanischer Elektrofirmen, deren Namen er nicht nennen will. Denn: „Wir haben es eilig. Sonst werden wir mit Importen überschwemmt.“

Bei der State Oil Marketing Organisation (SOMO), dem staatlichen irakischen Rohlölexporteur, sitzen Abgesandte des türkischen Industrie-Konglomerats Koc Holding im Vorzimmer. Sie buhlen nach eigenen Angaben um Aufträge für ihre Unternehmen, die aus irakischen Öleinnahmen finanziert werden sollen. „Deutsche Firmenvertreter waren in letzter Zeit nicht hier“, sagt SOMO-Chef Mohammed al-Jibouri. Geschäfte mit deutschen Maschinen- und Anlagenbauern würde der Irak aber sehr gern machen.

Auch in der Baghdad Cigarette Factory könnten Deutsche zum Zug kommen: Dort hofft man auf die Modernisierung der Anfang der 1980er Jahre von den Hamburger Hauni-Werken gelieferten Stopf- und Schnittmaschinen. „Wir wollen unsere Qualität erhöhen und Lizenzproduktion einwerben. Mit den deutschen Maschinen waren wir immer sehr zufrieden“, sagt Generaldirektor Sabbah Sarheed Abbas. Kontakt zu Hauni oder den Körberwerken gebe es aber aktuell nicht.

In der Liebherr-Vertretung in der noblen Prinzessinnen-Straße im Schatten der Baustelle der zweitgrößten Moschee der Welt, wird ein knappes Dutzend deutscher Experten Mitte Juli zurückerwartet. Das sagen drei Iraker, die dort Stallwache für den Kranhersteller halten. Das Unternehmen hat derzeit aber keine Reisepläne, wegen „der aktuellen Lage im Irak“, heißt es bei Liebherr. Der Armaturenhersteller Grohe hat immerhin ein Plakat im Bagdader Zentrum ausgehängt.

Die Lobbys der besseren Hotels in Bagdad bevölkern aber Vertreter amerikanischer, türkischer, asiatischer und arabischer Firmen. „Viele deutsche Unternehmen schrecken noch wegen der Sicherheitslage zurück“, sagt Jochen Münker, Nah- und Mittelostexperte beim Deutschen Industrie und Handelskammertag. Die Firmenvertreter würden aber auch keine Eile verspüren, weiß Münker. Es herrsche die Überzeugung, dass sich die Geschäftsaussichten weiter verbessern würden. Immerhin: Bei der Münchner Messegesellschaft Imag seien über 200 Anfragen wegen einer Teilnahme an der Industriemesse in Bagdad im Herbst eingegangen, heißt es.

Vor allem irakische Industrielle fürchten, dass die von den Besatzungsmächten verwalteten Öleinnahmen nur deren heimischen Unternehmen zugute kommen. Kellogg Brown & Root, Tochter der texanischen Ölservicegesellschaft Halliburton hat für 425 Mill. $ Aufträge der US-Armee für den Wiederaufbau der Ölindustrie bekommen - ohne Ausschreibung, dank guter Beziehungen zur Regierung.

Der gleiche Vorwurf zielt in Richtung des kalifornischen Bechtel- Konzerns, der für 780 Mill. $ Iraks marode Infrastruktur in Ordnung bringen soll. Doch es geht um noch viel mehr: Allein im Ölbereich soll Halliburton binnen zwei Jahren 7 Mrd. $ Öleinnahmen für Modernisierungsmaßnahmen einsetzen können, heißt es beim zuständigen US-Army Corps of Engineers.

Greifbar sind die Wiederaufbaubemühungen der Amerikaner bisher aber kaum, kritisieren irakische und ausländische Unternehmen: „Das ist bislang nur Gerede. Sie wollen täglich neue Unterlagen, aber nie etwas konkretes besprechen“, klagt Adel Al-Khalil von Al-Meirjal General Contracting Co., die bereits für Siemens und Babcock-Borsig neue Anlagen im Bagdader Kraftwerk al-Daoura installiert.

Auch Steven Gray, der die International Contractors Co., ein Konglomerat von Bau- und Mischkonzernen aus den Emiraten, vertritt, ist nicht gut auf den Bechtel-Konzern zu sprechen: „Was die Informationszentrum nennen, ist ein Witz. Dort sitzt ein alter Mann und schickt die Antragsteller zurück mit den Worten: ’Falsch gemacht, noch mal neu ausfüllen’.“

Mitarbeit: Thomas Wiede

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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